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Es hagelt kirschkerngroße Körner, als wir uns nach frühem Flug und dem kurzen Transfer von Faro nach Alte zum ersten Mittagessen setzen. Kein schöner Empfang zur “Mandelblütenreise”, der uns hier geboten wird. Dafür
entschädigt jedoch die gute, landestypische Küche des kleinen Hotels, in dem wir für die nächsten Tage untergebracht sind.
Alte ist ein sehenswertes kleines Dorf im Hinterland der Algarve.
Barrocal wird das teilweise verkarstete Kalkgebirge auch genannt, dünn besiedelt und noch großteils vom Massentourismus verschont. Etwa 20 km nördlich von Albufeira
gelegen erreicht man es über kleine Landstraßen, die noch daran erinnern, daß die Straßenbauingenieure des Diktators Salazars angeblich nach Kurven bezahlt wurden.
Leider werden die Mandelbäume nur noch vereinzelt gepflegt,
die Erträge rentieren im Europa der industriellen Landwirtschaft für die Kleinbauern kaum noch. Subventioniert wird, wer seine Flächen stilllegt. Die Mandelblüte ist im Februar schon fast
vorüber, aber wir werden reichlich durch das prachtvolle Grün der Algarvegärten in diesem Flecken entschädigt: Orangen und Zitronenbäume blühen und tragen gleichzeitig Früchte.
Holprige und winklige Gassen führen durch das noch intakte
Dorf, die Häuser sind weißgekalkt und Blumenkübel und blühende Büsche schmücken die Eingänge und Gärten. Die Igreja Matriz ist eine typische Hinterlandsdorfkirche mit
einfachem Schmuck im dreischiffigen Innern. Die alten blauen Azulejos wurden ganz offensichtlich aus zweiter Wahl gekauft, teilweise sind heruntergefallene Kacheln ohne den
ursprünglichen motivischen Zusammenhang einfach wieder angeklebt worden, um wenigstens eine durchgängigen blau-weißen Schmuck zu bieten. Als wir an einem Vormittag den
Pfarrer antreffen und außerplanmäßig eine kleine Besichtigung vornehmen möchten, werden wir sehr deutlich auf die Spendendose am Eingang hingewiesen - aber wir dürfen ihm
nicht böse sein, er hat noch nicht gefrühstückt.
Eine unserer Wanderungen beginnt an einem der folgenden
Tage - das Wetter hat sich deutlich gebessert - an der Fonte das Bicas. Ein idyllisches Plätzchen mit Versen des aus Alte stammenden Dichters Candido Guerreiro. Dörfliche
Arrangements dieser Art sind typisch für die Zeit der Diktatur, die in Portugal die Zeit von 1933 bis 1974 umfasste - der Nationalstolz wird deutlich. Die Fonte ist in drei “Bicas” -
Hähnen gefasst, denen das angeblich heilbringende Wasser entspringt.
Nur ein kleines Stück weiter ist die Fonte Grande zu sehen, ein
Verbotsschild dominiert das an sich hübsche Fleckchen - unter anderem ist das Nacktbaden verboten (wahrscheinlich ein Relikt der 70er Jahre, als die Algarve beliebtes Ziel der Hippiejünger
war). Sanft steigt unser Weg vorbei an Johannisbrot- und Mandelbäumen den Hügel hinauf. Kalköfen liegen am Jägerweg, der von Patronenhülsen übersät ist. Die Aussicht reicht bis zum
Meer, das weit entfernt im Süden zu erkennen ist.
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