Die Bilderbuch-Algarve steht heute auf dem Programm, die spektakuläre Schönheit, die trotz der Bausünden noch an vielen Stellen zu geniesen ist. Barlavento - dem Wind zugewandt - wird dieser Teil westlich von Faro bis zum Cabo de Sao Vicente genannt. Kleine Sandbuchten unterbrechen hin und wieder die Felsklippen, auf denen häufig Angler halsbrecherisch ihrem Hobby nachgehen.

Küste bei Lagos Die Romantik der Fischerdörfer, die bis in die 50er Jahre zu finden war ist längst verschwunden, fast alle Siedlungen sind zu schrecklichen Betonhaufen verkommen. Keineswegs ist der Bauboom bereits beendet (man redet gerne von den Sünden der 70er Jahre), es wird auch heute noch nahezu unverändert Hochhaus an Hochhaus gebaut; andererseits ist dieser ursprünglich sehr arme Landstrich hierdurch zu einem ansehnlichen Wohlstand gekommen. Einige Regionen sind angeblich mittlerweile durch Bauvorschriften vor der endgültigen Zersiedelung geschützt, sehr wirkungsvoll sind diese offensichtlich nicht.

LagosEtwas abseits der Touristenhochburgen finden sich jedoch - zumindest in der Nebensaison - ruhige Fleckchen, an dem man die Schönheit der Natur geniessen kann: einzeln aus dem Wasser aufragende Felsnadeln, vielfarbig gebänderte Kliffs und das tosende Meer, dessen Gischt bis zum Betrachter hinaufgeweht wird. Meist verläuft ein Klippenweg entlang der Küstenlinie; es ist per Gesetz vorgeschrieben, einen freien Durchgang am Meer auch bei Privatgrundstücken zu gewähren.

Lagos ist unsere erste Station, einer der ältesten Orte der Algarve. Einige Befestigungsanlagen erinnern an Zeiten, in denen dieser Handelsort gegen Räuber und Invasoren zu schützen war. Lagos: Heinrich der SeefahrerLagos ist untrennbar mit der Person Heinrichs des Seefahrers verbunden, der hier die theoretischen Erkenntnisse seiner Seefahrerschule in Sagres umsetzte und mit der Konstruktion und dem Bau eines sehr seetüchtigen neuen Schiffstyps - der Karavelle - die Grundlage für das portugiesische Weltreich legte. Mit Schiffen dieses Typs gelang Gil Eanes 1434 der Vorstoß über das Kap Bojador an der afrikanischen Westküste hinaus, die Mär vom menschenverschlingenden “Meer der Finsternis” war nicht länger haltbar. Nur wenige Jahre später schaffte dann Bartolomeu Dias die Umrundung der Südspitze Afrikas und Vasco da Gama schließlich erreichte 1498 tatsächlich auf dem Seeweg Indien; die Schätze des Subkontinents konnten nun unter Umgehung des von den Arabern kontrollierten Landweges nach Europa gebracht werden.

Decke der Kirche Santo AntonioFast gleichzeitig “entdeckt” Pedro Alvares Cabral Brasilien, ein Strom von Gold und Reichtümern fließt in diesen Zeiten aus der wichtigsten portugiesischen Kolonie ins Land. Nun werden jedoch auch Arbeitskräfte benötigt, sowohl in Portugal, aber vor allem in Amerika. Das “schwarze Elfenbein” der Kolonien macht Portugal zur reichsten Nation Europas. Der erste Sklavenmarkt soll in Lagos bereits im Jahr 1444 stattgefunden haben, in den Arkaden des heutigen Zollamtes. “Ein Pferd für zehn Menschen” wird im Baedecker die Währung taxiert - bis ins 18. Jahrhundert hinein wurden schätzungsweise mehreren Millionen Menschen Freiheit und Heimat geraubt.

Dom Sebastiao Sehenswert ebenfalls die Igreja de Santo Antonio, die zu den besonders eindrucksvollen Kirchen der Algarve zählt. St. Antonius war der Schutzpatron der in Lagos stationierten Truppen, auf dem Altar ist er mit Offiziersschärpe und Kommandostab zu sehen. Die Kirche ist im Innenraum fast vollständig mit goldüberzogenen Holzschnitzereien verkleidet, der sogenannten Thala Dourada. Szenen aus dem Leben Antonius sind auf Gemäldetafeln dargestellt, die Decke ziert das Wappen Portugals. Teil der Kirche ist das Museu Municipal de Lagos, ein kleines, aber hübsch eingerichtetes Komunalmuseum mit einigen archäologischen, kunsthandwerklichen und historischen Exponaten.

Ein Spaziergang durch die Altstadt von Lagos ist zu empfehlen, nicht verpassen sollte man das moderne Denkmal an den “ersehnten” König Dom Sebastiao (1554 - 1578), dessen Name regelrecht synonym für eine vermeintliche Geisteshaltung der Portugiesen steht: “Sebastianismus”, das fatalistische Hoffen und Abwarten auf die Wende zum Besseren (Sebastiao hatte sich in naiver Fehleinschätzung in einen vernichtenden Krieg mit den Mauren in Nordafrika begeben, bei dem neben 8000 Soldaten auch er ums Leben kam. Da sein Leichnam nie gefunden wurde, hoffte man noch Jahre nach dieser Schlacht auf eine Wiederkehr).

Bei LagosNach einem kleinen Geplänkel mit dem örtlichen Wachtmeister, der - ganz in unserem Sinne - den Verkehr auf der Hauptstraße in geregelte Bahnen bringen wollte - und dem unser Bus dabei etwas ins Gehege kam - geht es weiter zur Ponta da Piedade, einer typischen Postkarten-Motiv-Stelle mit schönen Felsformationen. Wir wandern vorbei am Leuchtturm bis Porto de Mos, wo wir unbedingt auf der Terasse des kleinen Lokals direkt am Meer unseren Fisch (empfehlenswert) essen möchten. Strand bei Porto de MosDa der Patron im Inneren für uns Plätze freigehalten hatte, sorgen wir erneut für eine kleine lokale Verstimmung.... Es ist halt doch alles sehr massen-touristisch geprägt und auf Abfertigung vorbereitet.

Von hier aus geht am Nachmittag die Fahrt nach Sagres, wo die Fortaleza de Sagres als historischer Schauplatz für Studienreisenden ein Pflichtprogrammbestandteil ist. Sie ist ein weiteres Zentrum der portugiesischen Entdeckungsgeschichte, hierhin zog Heinrich der Seefahrer (der übrigens selbst praktisch keine Seefahrt unternommen hatte) führende Wissenschaftler auf Europa zusammen, Steilküste am Cabo Sao Vincentedie die Grundlage für die Seenavigation und -kartographie legten. Interessant und etwas rätselhaft im Inneren der Festung die sogenannte “Windrose”, ein über 40 m im Durchmesser großer Bodenkreis aus Steinen, der erst 1921 wiederentdeckt wurde. Von hier aus hat man auch einen schönen Blick hinüber zum Cabo de Sao Vicente, dem südwestlichsten Punkt der iberischen Halbinsel. Angeblich wurde der Leichnam des heiligen Vinzenz hier in einem führerlosen Boot angetrieben.

Dieses Cabo de Sao Vicente schließlich bildet den Abschluß dieses langen Tages, unter uns bricht sich schäumend das Meer und wir blicken sehnsüchtig nach Süden und Afrika und nach Westen über den Atlantik.

 

Panoramabilder (drauf klicken, warten und staunen!)


Lagos: Ponta da Piedade

Panorambild: Lagos - Ponta da Piedade (Pan ´n´ Zoom)

Sagres: Fortaleza de Sagres im 360 Grad-Blick

Panorambild Fortaleza de Sagres: Pan ´n´ Zoom)

 

Weiterführendes


Bunge-Kersten und Bunge: Online-Reiseführer Lagos, sehr ausführliche Beschreibung mit geschichtlichen Ausführungen sowie Lebensläufen in deutscher Sprache

 

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