Kairo - Die Siegreiche: Blick über Nil und die Insel Gezira

Islamische Altstadt: vom Bab Suwela zum Khan el-Khalili

Kairo - Bab SuwelaZwischen dem südlichen Stadttor Bab Suwela und dem nördlichen Stadttor Bab el Futuh erstreckt sich die Sharia Muizz li Din Allah, die Hauptmarktstraße des ägyptischen Marktes.

Das Tor war einst Teil der fatimidischen Stadtmauer, von der noch Reste erkennbar sind. Es wurde 1092 fertiggestellt, unzählige Verurteilte wurden auf seinen Mauern hingerichtet und teilweise regelrecht ausgestellt - insbesondere Kreuzfahrer soll dieses Schicksal ereilt haben. Die beiden im Bild rechts zu sehenden Minarette, die auf dem Stadttor errichtet wurden, gehören natürlich zu einer unmittelbar angrenzenden Moschee, der Muayyad Moschee. Angeblich kann man die Türme besteigen, wir hatten das jedoch nicht bemerkt - vielleicht ist die Angabe bei Frau Brunner-Traut auch veraltet.

Kairo -Im Basar Khan el KhaliliVon hier aus drängt sich der Fußgänger- und Karrenverkehr vorbei an unzähligen Marktständen, insbesondere Bekleidung, Nippes und Haushaltswaren. Sehr zu beachten sind etliche bedeutende Gemäuer, wie das Brunnenhaus des Tushun Pasha, die Fakahani Moschee der Obsthändler und das Haus des Gamal ad Din ad Dahabi - das Haus des Vorstehers der Goldschiedegilde.

Vor der Kreuzung mit der stark befahrenen Sharia al Azhar, die man am besten über die Fußgängerbrücke überquert, liegen Mausoleum und Medresen-Moschee des Sultans al Ghuri (die im Moment in Staubwolken der Restaurateure versinken). Rechts ab liegt die Al Azhar Kairo - In einer warsha (Werkstätte) im ägyptischen Basar(die “Blühende”) Moschee mit einer der bedeutendsten und größten arabische Universitäten, die auf eine Medrese aus dem 10. Jahrhundert zurückgeht.

Auf der anderen Straßenseite beginnt der Khan el-Khalili, der Touristenmarkt Kairos. Obwohl ich persönlich dort nichts kaufen würde ist sein Besuch natürlich sehr lohnend - enge Gassen mit dichtgedrängten Werkstätten (warsha) und Läden reihen sich aneinander, das Durchkommen ist sehr mühsam. Als Tourist erhält man natürlich ständig tolle Schnäppchen-Angebote, vieles davon ist billigste Massenware aus Fernost oder den Fabriken Europas, teilweise handelt es sich um Markenfälschungen. Wenn man etwas “echteres” als Souvenir oder für sich selbst kaufen möchte, sollte man dies im ägyptischen Markt tun. Nicht unerwähnt bleiben darf das berühmte Fishawi-Kaffee, das immer wieder in Romanen ägyptischer Autoren wie Nagib Machfus auftaucht.
 


Koptisches Viertel

Kairo - Koptisches Viertel: St. Sergius KircheDas koptische Viertel - Fustat - ist die älteste Siedlung Kairos, sie ist bereits in altägyptischer Zeit nachgewiesen und befindet sich im Süden Kairos ( Cairo 3d-Map). Von Alexandria, wo der Evangelist Markus als erster Bischof predigte, sprang der neue Glaube alsbald auf die jüdische Gemeinde Kairos über und erste christliche Kirchen entstanden. Im 5. Jahrhundert kam es zur Abspaltung der koptischen Kirche nach dem Konzil von Chalkedon, in dem keine Einigung über die Einheit von göttlicher und menschlicher Natur Christi (koptische Interpretation) gefunden werden konnte.

Unser Rundgang umfasste die St. Sergius-Kirche (der Legende nach über jener Grotte errichtet, in der Maria und Josef mit Christus auf der Flucht nach Ägypten Unterschlupf fanden), die St. Barbara-Kirche (ursprünglich aus dem 5. Jhd) und die Ben Ezra Synagoge. Die Marienkirche Al Moallaka (“Die Hängende”) erreicht man von der anderen Seite des Viertels, das momentan (Frühjahr 2002) stark von Sicherheitskräften bewacht wird. Natürlich bietet es sich an, auch das Koptische Museum gleich nebenan zu besuchen, das einen reichen Schatz koptischer Altertümer zeigt.

 

Ägyptisches Museum

Kairo - Blick in die Mittelhalle des Ägyptischen MuseumsDas Ägyptische Museum alleine ist natürlich eine Reise nach Kairo wert. Mein Tipp ist: beschränken! Vielleicht nur einen entspannten Rundgang durch das Erdgeschoss machen und dann intensiv im Obergeschoß die Tutanchamun Ausstellung besichtigen...

Am besten ist natürlich eine gute Vorbereitung und dann das Ansteuern einzelner Objekte. Meine persönliche Auswahl kann eine Anregung bieten.

Das Museum wurde 1857 vom französischen Ägyptologen Mariette “gegründet”. Insbesondere seinen Bemühungen ist es zu verdanken, daß die Ausfuhr ägyptischer Kunstschätze durch Sammler und staatlich authorisierte Räuber teilweise ein Ende fand und die bedeutendsten Funde in einen angemessenen Rahmen ausgestellt werden konnten. Natürlich ist das Museum heute viel zu klein, ein Neubau ist seit vielen Jahren geplant, nun soll angeblich der erste Spatenstich auch erfolgt sein...

Kairo - Ägyptisches Museum, Narmer PaletteDie Narmer Palette
Dynastie 0, Regierungszeit des Narmer (um 3000 v. Chr.), Hierakonpolis, Raum 43

Paletten dieser Art waren Votivgaben, die Narmerpalette wurde im Horustempel von Hierakonpolis gefunden. Die Paletten dienten zum Zerreiben von beispielsweise Malachit oder Galenit zur Herstellung von Schminke für rituelle Zwecke. Die Palette ist auf der Vorderseite (rechts im Bild, bessere Detailaufnahme bei McClung Museum) in drei Register aufgeteilt. Darüber sieht man zwischen den Kuhohren und Hörnern der Göttin Hathor die Inschrift von Narmer, der als Einer Ägyptens in die Geschichte einging. Im ersten Register schreitet Narmer mit der roten Krone Unterägyptens, hinter ihm sein Sandalenträger. Davor gehen fünf Personen, vier davon tragen eine Standarte. Sie könnten die Regionen Ägyptens symbolisieren, die Narmer erstmals vereint hat. Ganz rechts liegen zehn Männerleichen mit abgeschlagenen Köpfen: die Feinde Ägyptens. Im großen mittleren Register halten zwei Männer zwei Schlangenhalspanther fest, deren Hälse sich verschlingen, eventuell auch Symbol für die Einheit Ober- und Unterägyptens. Darunter der König als Stier, der gegen eine Stadt anrennt und gleichzeitig einen Feind zertritt.

Auf der Rückseite eine der ersten “König erschlägt Feinde mit der Keule”-Darstellung Narmers, diesmal mit der Krone Oberägyptens. Zusammen mit der Darstellung des Falken (Symboltier Oberägyptens), der auf Papyrus (Symbolpflanze Unterägyptens) sitzt kann man erkennen, wie Narmer Unterägypten unterworfen und ganz Ägypten unter seine Herrschaft gebracht hat.

Die Meidum Gänse
4. Dynastie, Regierungszeit des Snofru (2575-2551 v. Chr.), Meidum, Raum 32

Kairo - Blick in die Mittelhalle des Ägyptischen Museums


Bei Ausgrabungen Mariettes in Meidum 1871 wurde dieses Fragment aus bemaltem Stuck (also eine Malerei, kein Fresko) in der Mastaba des Nefermaat und Itet in Meidum gefunden. Zu sehen sind sechs Gänse, die auf einem Feld grasen. Sie blicken in entgegengesetzte Richtung, der symmetrische Aufbau ist nicht streng durchgestaltet. Das Werk gewinnt seine Bedeutung nicht nur aus seinem Alter, sondern auch durch seinen künstlerisch meisterlichen Aufbau und seine Ausführung, die sich in der Farbgestaltung der Gänse und den Proportionen zeigt. Vermutlich ist die Dreiergruppierung symbolbehaftet: in der alten ägyptischen Schrift steht die Dreiergruppe für Pluralität - also für “viele” Gänse.

Kairo - Ägyptisches Museum, Statuette einer BierbrauerinStatuette einer Bierbrauerin
Ende der 5. Dynastie (erste Hälfte 24. Jhd v. Chr.), Giza Raum 47

PDie in der Mastaba des Mersuanch in Giza gefundene, ca 28 cm hohe Statuette aus bemaltem Kalkstein zeigt eine hübsche Frau, die gerade die Zutaten eines Bierrezeptes der alten Ägypter mischt: Gerstenbrotlaibe, Wasser und Dattelsaft (zum Süßen). Sie trägt einen weißen Rock und eine Perücke. Sie scheint bei ihrer Arbeit zu lächeln, ihr ganzer Körper ist kräftig gebaut.

Dienerfiguren dieser Art - beim Teigkneten, beim Kornmahlen usw. - hat man in größerer Zahl in den Gräbern der 4. Dynastie gefunden; mehrere davon findet man in den Vitrinen von Raum 47. Wie auch die Wandbemalungen (diese findet Kairo - Ägyptisches Museum, Narmer Paletteman in den Gräbern reicher Verstorbener) zeigen sie Personen, die dem Toten als Wiederbelebtem zu diensten standen, sodaß er auch im Jenseits auf seine vertrauten Annehmlichkeiten nicht zu verzichten brauchte.

Figur eines Schreibers
Anfang der 5. Dynastie (Mitte 25. Jhd. v. Chr.), Saqqara Raum 42

Die aus bemaltem Kalkstein bestehende Figur (51 cm Höhe) zeigt einen Schreiber mit Papyrusrolle, der mit gekreuzten Beinen auf dem Boden sitzt. Sein Oberkörper ist in Orange-Gelb-Tönen gehalten und sehr muskulös. In seiner rechten Hand trug er wohl einst eine Schreibbinse, mit der er seine Aufzeichnungen auf dem entrollten Papyrus vornahm. Er trägt eine schwarze Perücke , die Ohrläppchen schauen darunter hervor. Er blickt den Betrachter direkt an, sein Ausdruck ist entspannt wie seine ganze Körperhaltung.Kairo - Ägyptisches Museum, Statuette einer Bierbrauerin

Echnaton und Nofretete
18. Dynastie Regierungszeit des Echnaton (1353-1335 v. Chr.), Tell al Amarna, Raum 3 (Armana-Saal)

In einer kleinen Vitrine im Armana Saal (Raum 3) ist dieser kleine Klappaltar zu sehen, auf dem Echnaton und Nofrete im Kreis ihrer drei Töchter in privater Athmosphäre abgebildet sind. Der durch die Sonnenscheibe symbolisierte Gott Aton spendet der Familie durch seine Strahlen, die in den Händen der Familie enden Kraft. Das Bild ist in dem für die Armana-Zeit typischen wirklichkeitsgetreuen Stil gehalten, die fast häßlich wirkenden Körperformen sind realistisch wiedergegeben. Für die damalige Zeit waren solche Familiendarstellungen völlig ungewöhnlich, sie stellten einen Bruch mit der Tradition dar - vermutlich sogar ganz bewusst provozierend. Über die weibliche Körperform Echnatons wird viel spekuliert, die Interpretationen reichen von Stilelement über Krankheit bis hin zu der Vermutung einer Transsexualität des Königs.

 

Kairo - Ägyptisches Museum, Narmer PaletteBlaues Nilpferd aus Fayence
Zweite Zwischenzeit (1640-1532 v.Chr.), Theben-West bei Dra Abu el-Naga, Raum 48 im Obergeschoss

Nilpferdfiguren dieser Art waren häufig Grabbeigaben im Mittleren Reich und der Zweiten Zwischenzeit. Oft findet man sie in Begleitung von weiblichen Fruchtbarkeitsidolen, sie selbst sind Symbol für Fruchtbarkeit und Zeugungskraft. Das Blau der Figur erinnert an die Farbe des Wassers, seine Bemalung mit Wasserpflanzen und Papyrusdolden und Lotusblüten zeigt die Vegetation der sumpfigen Nilniederung.

Kairo - Ägyptisches Museum, Statuette einer BierbrauerinDie Schätze des Grabes von Tutanchamun
18. Dynastie, Regierungszeit des Tutanchamun (1333-1323 v.Chr.), Theben-West im Tal der Könige, Raum 3 im Obergeschoss

Kobra und Geier verzieren die goldene Totenmaske des Tutanchamun, Symbole der Schutzgöttinnen Wadjet (Kobra) und Nechbet (Geier) für Unter- und Oberägypten - Zeichen der Herrschaft über das vereinte Land. Sie erheben sich auf der Stirn, über der das blau/gold gestreifte Nemes Kopftuch das Haar des Königs verdeckt. Mandelförmige Augen aus weißem Quarz mit Pupillen aus Obsidian treten aus dem Gesicht hervor. Blaue Linien geben ihm Kontur.

Die aus gehämmertem Gold bestehende Totenmaske ist sicherlich eines der bekanntesten Objekte des Museums. Der Raum mit der Totenmaske und einigen weiteren besonders wertvollen Ausstellungsstücken ist abgedunkelt, die Wirkung der Objekte wird dadurch gesteigert. Mittlerweile sind übrigens die “altmodischen” Vitrinen, wie sie noch in den Rundumpanoramen der Website des ägyptischen Museums zu sehen sind, durch zeitgemäße Vitrinen ersetzt...

 

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interaktive Panoramabilder


360 Grad Panorama von der Zitadelle

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Panoramablick über die Gezira-Insel und den Nil

zum Panorama: Kairo - Gezira Insel und Nil

Das Innere der Mohammed Ali Moschee (Alabastermoschee)

zum Panorama: Kairo - Alabastermoschee

 

Weiterführendes


Hierakonpolis Online - Informationen zum Fundort der Narmerpalette
Das Ägyptische Museum -
Offizielle Webseite
 

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