|
Ägyptisches Museum
Das Ägyptische Museum alleine ist natürlich eine Reise nach Kairo wert. Mein Tipp ist: beschränken! Vielleicht nur einen
entspannten Rundgang durch das Erdgeschoss machen und dann intensiv im Obergeschoß die Tutanchamun Ausstellung besichtigen...
Am besten ist natürlich eine gute Vorbereitung und dann das Ansteuern einzelner Objekte. Meine persönliche Auswahl kann eine Anregung bieten.
Das Museum wurde 1857 vom französischen Ägyptologen
Mariette “gegründet”. Insbesondere seinen Bemühungen ist es zu verdanken, daß die Ausfuhr ägyptischer Kunstschätze durch Sammler und staatlich authorisierte Räuber teilweise ein Ende
fand und die bedeutendsten Funde in einen angemessenen Rahmen ausgestellt werden konnten. Natürlich ist das Museum heute viel zu klein, ein Neubau ist seit vielen
Jahren geplant, nun soll angeblich der erste Spatenstich auch erfolgt sein...
Die Narmer Palette Dynastie 0, Regierungszeit des Narmer (um 3000 v. Chr.), Hierakonpolis, Raum 43
Paletten dieser Art waren Votivgaben, die Narmerpalette wurde im Horustempel von Hierakonpolis gefunden. Die Paletten dienten zum Zerreiben
von beispielsweise Malachit oder Galenit zur Herstellung von Schminke für rituelle Zwecke. Die Palette ist auf der Vorderseite (rechts im Bild, bessere Detailaufnahme bei McClung Museum) in drei Register aufgeteilt. Darüber sieht
man zwischen den Kuhohren und Hörnern der Göttin Hathor die Inschrift von Narmer, der als Einer Ägyptens in die Geschichte einging. Im ersten Register
schreitet Narmer mit der roten Krone Unterägyptens, hinter ihm sein Sandalenträger. Davor gehen fünf Personen, vier davon tragen eine Standarte.
Sie könnten die Regionen Ägyptens symbolisieren, die Narmer erstmals vereint hat. Ganz rechts liegen zehn Männerleichen mit abgeschlagenen Köpfen: die
Feinde Ägyptens. Im großen mittleren Register halten zwei Männer zwei Schlangenhalspanther fest, deren Hälse sich verschlingen, eventuell auch
Symbol für die Einheit Ober- und Unterägyptens. Darunter der König als Stier, der gegen eine Stadt anrennt und gleichzeitig einen Feind zertritt.
Auf der Rückseite eine der ersten “König erschlägt Feinde mit der Keule”-Darstellung Narmers, diesmal mit
der Krone Oberägyptens. Zusammen mit der Darstellung des Falken (Symboltier Oberägyptens), der auf Papyrus (Symbolpflanze Unterägyptens) sitzt kann man erkennen, wie Narmer Unterägypten unterworfen
und ganz Ägypten unter seine Herrschaft gebracht hat.
Die Meidum Gänse 4. Dynastie, Regierungszeit des Snofru (2575-2551 v. Chr.), Meidum, Raum 32
Bei Ausgrabungen Mariettes in Meidum 1871 wurde dieses Fragment aus bemaltem Stuck (also eine Malerei,
kein Fresko) in der Mastaba des Nefermaat und Itet in Meidum gefunden. Zu sehen sind sechs Gänse, die auf einem Feld grasen. Sie blicken in entgegengesetzte Richtung, der symmetrische Aufbau ist nicht streng
durchgestaltet. Das Werk gewinnt seine Bedeutung nicht nur aus seinem Alter, sondern auch durch seinen künstlerisch meisterlichen Aufbau und seine Ausführung, die sich in der Farbgestaltung der Gänse und den
Proportionen zeigt. Vermutlich ist die Dreiergruppierung symbolbehaftet: in der alten ägyptischen Schrift steht die Dreiergruppe für Pluralität - also für “viele” Gänse.
Statuette einer Bierbrauerin Ende der 5. Dynastie (erste Hälfte 24. Jhd v. Chr.), Giza Raum 47
PDie in der Mastaba des Mersuanch in Giza gefundene, ca 28 cm hohe Statuette aus bemaltem Kalkstein zeigt eine hübsche Frau, die gerade die Zutaten eines Bierrezeptes der alten Ägypter mischt:
Gerstenbrotlaibe, Wasser und Dattelsaft (zum Süßen). Sie trägt einen weißen Rock und eine Perücke. Sie scheint bei ihrer Arbeit zu lächeln, ihr ganzer Körper ist kräftig gebaut.
Dienerfiguren dieser Art - beim Teigkneten, beim Kornmahlen usw. - hat man in größerer Zahl in den Gräbern der 4. Dynastie gefunden; mehrere davon findet man in den Vitrinen von Raum 47. Wie auch die
Wandbemalungen (diese findet man in den Gräbern reicher
Verstorbener) zeigen sie Personen, die dem Toten als Wiederbelebtem zu diensten standen, sodaß er auch im Jenseits auf seine vertrauten Annehmlichkeiten nicht zu verzichten brauchte.
Figur eines Schreibers Anfang der 5. Dynastie (Mitte 25. Jhd. v. Chr.), Saqqara Raum 42
Die aus bemaltem Kalkstein bestehende Figur (51 cm Höhe) zeigt einen Schreiber mit Papyrusrolle, der mit gekreuzten Beinen auf dem Boden sitzt. Sein Oberkörper ist in Orange-Gelb-Tönen gehalten und sehr
muskulös. In seiner rechten Hand trug er wohl einst eine Schreibbinse, mit der er seine Aufzeichnungen auf dem entrollten Papyrus vornahm. Er trägt eine schwarze Perücke , die Ohrläppchen schauen darunter
hervor. Er blickt den Betrachter direkt an, sein Ausdruck ist entspannt wie seine ganze Körperhaltung.
Echnaton und Nofretete 18. Dynastie Regierungszeit des Echnaton (1353-1335 v. Chr.), Tell al Amarna, Raum 3 (Armana-Saal)
In einer kleinen Vitrine im Armana Saal (Raum 3) ist dieser kleine Klappaltar zu sehen, auf dem Echnaton und Nofrete im Kreis ihrer drei Töchter in privater Athmosphäre abgebildet sind.
Der durch die Sonnenscheibe symbolisierte Gott Aton spendet der Familie durch seine Strahlen, die in den Händen der Familie enden Kraft. Das Bild ist in dem für die Armana-Zeit typischen
wirklichkeitsgetreuen Stil gehalten, die fast häßlich wirkenden Körperformen sind realistisch wiedergegeben. Für die damalige Zeit waren solche Familiendarstellungen völlig ungewöhnlich, sie
stellten einen Bruch mit der Tradition dar - vermutlich sogar ganz bewusst provozierend. Über die weibliche Körperform Echnatons wird viel spekuliert, die Interpretationen reichen von Stilelement
über Krankheit bis hin zu der Vermutung einer Transsexualität des Königs.
Blaues Nilpferd aus Fayence Zweite Zwischenzeit (1640-1532 v.Chr.), Theben-West bei Dra Abu
el-Naga, Raum 48 im Obergeschoss
Nilpferdfiguren dieser Art waren häufig Grabbeigaben im
Mittleren Reich und der Zweiten Zwischenzeit. Oft findet man sie in Begleitung von weiblichen Fruchtbarkeitsidolen, sie selbst sind Symbol für Fruchtbarkeit und Zeugungskraft. Das Blau der Figur
erinnert an die Farbe des Wassers, seine Bemalung mit Wasserpflanzen und Papyrusdolden und Lotusblüten zeigt die Vegetation der sumpfigen Nilniederung.
Die Schätze des Grabes von Tutanchamun 18. Dynastie, Regierungszeit des Tutanchamun (1333-1323 v.Chr.),
Theben-West im Tal der Könige, Raum 3 im Obergeschoss
Kobra und Geier verzieren die goldene Totenmaske des Tutanchamun, Symbole der Schutzgöttinnen Wadjet (Kobra) und Nechbet (Geier) für Unter- und Oberägypten - Zeichen der Herrschaft über das vereinte
Land. Sie erheben sich auf der Stirn, über der das blau/gold gestreifte Nemes Kopftuch das Haar des Königs verdeckt. Mandelförmige Augen aus weißem Quarz mit Pupillen aus Obsidian treten aus dem Gesicht
hervor. Blaue Linien geben ihm Kontur.
Die aus gehämmertem Gold bestehende Totenmaske ist sicherlich eines der bekanntesten Objekte des Museums. Der Raum mit der Totenmaske und einigen weiteren besonders wertvollen Ausstellungsstücken ist
abgedunkelt, die Wirkung der Objekte wird dadurch gesteigert. Mittlerweile sind übrigens die “altmodischen” Vitrinen, wie sie noch in den Rundumpanoramen der Website des ägyptischen Museums zu
sehen sind, durch zeitgemäße Vitrinen ersetzt...
|