Modena

Feinkost aus der Emilia RomagnaWas für Parma Käse und Schinken ist, ist in Modena der Essig - genauer gesagt der Aceto Balsamico di Modena. Die besten Produkte werden in verhältnismäßig kleinen Acetaias auf dem Land rings um die Stadt erzeugt, ein Besuch in einem Betrieb ist für jeden Feinschmecker - oder der es dazu bringen will - unbedingt empfehlenswert. Die Herstellung erfolgt in einem sehr langwierigen und aufwändigen Verfahren, einer Art Verdickungsreihe in Holzfässern. Um das zu verstehen, fängt man am besten “hinten” an: aus dem ältesten Fass wird jedes Jahr ein kleiner Teil des Aceto entnommen und in Fläschchen abgefüllt und verkauft. Den Rest und den Verdunstungsverlust füllt man aus dem zweitältesten Fass auf. Dieses wird nun mit dem Essig aus dem drittältesten aufgefüllt usw. Da ein großer Teil des Essigs verdunstet, sind die ältesten Fässer viel kleiner als die mit dem jüngsten Essig. Modena - Duoma mit Torre GhirlandinaDer Essig, der nach dieser Methode hergestellt wird und ein bestimmtes Mindestalter hat, wird als Aceto Traditionale di Modena zu nach oben offenen Preisen verkauft. 12 oder 25 Jahre alter Aceto kann 50 Euro und viel, viel mehr kosten (ein Zehntel Liter wohlgemerkt). Über den grünen Salat “schüttet” man den natürlich nicht mehr, einige Tropfen verfeinern Erdbeeren oder ein Eis und machen daraus eine geschmackliche Besonderheit. Für den Salat empfehle ich statt dessen einen guten Aceto Balsamico di Modena (Bezeichnung ist nicht geschützt) aus dieser Region, den man manchmal in Feinkostgeschäften auch probieren kann - denn der Geschmack reicht von säuerlich bis süßlich. Ein Qualitätsmerkmal ist, wenn keine Farbstoffe (machen billigen Essig dunkel) und Konservierungsstoffe drin sind, nur Traubenmost und Traubenessig.

Doch Modena hat nicht nur Genüsse für den Gaumen zu bieten, sein bedeutendstes kunsthistorisches Objekt ist natürlich: der Duomo des Hl. Geminianus. Sein schlank aufragender weisser Campanile ist das Wahrzeichen der Stadt geworden, “Torre Ghirlandina” nennen ihn die Modeneser. Er “gehört” übrigens streng genommen nicht zur Kathedrale, nicht nur weil er frei steht, sondern auch weil die Stadt  Eigentümerin ist; wer ihn besteigen will, muss sich im Municipio (dem Rathaus) anmelden. Er steht übrigens etwas schief, was man auf dem Foto links auch gut sehen kann.Erholung unter der Porta Regia - rechts die geknotete Säule

In und um den Dom herum gibt es wie üblich in der Emilia Romagna jede Menge zu sehen, ein guter Kunstreiseführer ist sehr nützlich (leider ist der Dumont Kunstreiseführer Emilia Romagna seit langem vergriffen und nicht wieder neu aufgelegt worden). Wenn wir an der Piazza Grande zur Rundtour starten finden wir gleich zwei Portale: die ausladende Porta Regia mit ihrer “verknoteten” Marmorsäule ist die rechte der beiden, links liegt die Porta dei Principi mit der Geschichte des Schutzpatrons von Modena: dem hl. Geminiano.

Modena -Löwe an der Porta MaggioreBesonders eindrucksvoll sind an fast allen Portalen Löwen, die häufig Säulen tragen. Am Westportal, der Porta Maggiore ist neben (besser gesagt hinter) diesen ein Relief des Wiligelmus sehenswert, der bereits an der ursprünglichen Bauausführung am Anfang des 12. Jahrhunderts die bedeutendsten Steinmetzarbeiten ausführte. Gezeigt sind auf drei Steinplatten Szenen aus der Schöpfungsgeschichte, im Bild links ist hinter dem Löwen zu erkennen: das Opfer von Kain und Abel, der Brudermord und Gott richtet Kain.

Auf der Nordseite der Kathedrale liegt nun das vierte Portal: die Porta della Pescheria, die nach dem in der Nähe liegenden Fischmarkt ihren Namen erhalten hat. Sie zeigt mehrere interessante Dekorationen wie die Szene Modena - Pontile im Domaus der Sage des englischen Königs Artus. Er und gepanzerte Ritter versuchen eine Burg einzunehmen, die von dem bösen Zwerg Burmaltus verteidigt wird und in dem Winlogee gefangen gehalten wird. Des weiteren finden sich auch hier die schon aus Parma und Piacenza bekannten Monatsbilder, die diesmal ausschließlich bäuerliche Szenen zeigen.

Der Innenraum der dreischiffigen Backsteinbasilika wird dominiert durch einen aussergewöhnlichen Chorabschluß: eine aufwändig verzierte steinerne Brücke (deshalb “Pontile” genannt), die als Lettner geistliche und weltlicheModena -Säulenbasis im Dom Kirchenbesucher trennte. Geschmückt ist der Pontile mit Szenen aus der Leidensgeschichte Christi, ganz besonders eindrucksvoll auch die Säulen, die auf dem Rücken von Löwen und Fabeltieren stehen. Auch die Reliefs auf der Rückseite des Pontile sind sehr sehenswert. Im Bild rechts oben ist die nur wenig tiefer liegende Krypta zu erkennen, deren Gewölbe von 60 Säulen und Halbsäulen getragen wird. Hier findet sich auch das Grab des Kirchenpatrons Geminianus. Eine farbige Terrakotta-Gruppe die im Volksmund “Madonna della Pappa” (Maria mit dem Griesbrei) heißt ist ebenfalls sehenswert. In der Emilia Romagna finden sich solche Gruppen in vielen Kirchen, in Bologna ist mit eine Aufnahme ganz gut aus der Hand gelungen.

Ebenfalls aus Terrakotta gefertigt ist der Altar der Heiligen Katharina im linken Seitenschiff der Kathedrale von Modena. Das Material konnte aus dem Schwemmland des Pos sehr günstig gewonnen werden und hat deshalb hier eine künstlerische Tradition zur Meisterschaft geführt


Maranello und Salse di Nirana

.Maranello - Galleria FerrariEtwa 30 km südlich von Modena liegt eine ganz anders geartete Sehenswürdigkeit (besser gesagt eine Kultstätte): Die Galleria Ferrari in Maranello. Gezeigt wird in einer modernen Umgebung Blech aus 5 Jahrzehnten sowie technische Entwicklungen - Motoren, Getriebe etc. - und das “Original”-Büro, in dem Enzo Ferrari gearbeitet haben soll. Falls die roten Bolliden nicht interessant genug erscheinen, das Publikum ist es auf jeden Fall. Devotionalien in Form von roten Ferrarikäppis werden zu nahezu jedem Phantasiepreis gekauft, um ja zu zeigen, daß man zur Fangemeinde dazugehört (augenblicklich ist natürlich durch Michael Schumacher das Publikum stark teutonenlastig, mal sehen wie das in ein paar Jahren aussieht, wenn den keiner mehr kennt...). Nett finde ich die Anekdote (mit wahrem Kern), in der erklärt wird, wie ganz in der Nähe von Maranello eine andere Sportwagenfirma entstanden ist: Ein hitzköpfiger Romagnole aus Sant Agata besaß einen Ferrari, der mehr stand als fuhr, und als er bei Herrn Enzo Ferrari massiv gegen den Qualitätsschrott protestierte, setzte der den Traktorfabrikanten vor die Tür. Worauf dieser begann, seine eigenen Sportautos zu bauen: Es handelte sich um Ferrucio Lamborghini.

Den “Vorbeiflug” an Maranello kann man als Naturliebhaber mit einer ganz hübschen Wanderung mit kleinem Naturwunder verbinden, die nur wenige Kilometer südlich von Maranello startet: Rund um die “Salse di Nirano”.Salse di Nirano - Wanderkarte

Rundwanderung durch die Salse di Nirano zwischen Maranello und Sassuolo

Dauer: ca 1,5 h

Empfohlener Weg: vom Parkplatz (rechts auf der Karte) ein kurzes Stück auf der asphaltierten Straße gehen und dann links den Hügel hinauf (Weg Nr. 1). Oben geht es dann auf einem Fußpfad mit schönem Panorama bis zum Südöstlichen Ausgang des Parks (Straße). Dieser rechts ein Stück folgen und bei Monte Pietro wiederum auf einem Pfad hinab zu den Schlammkratern und wieder zurück zum Parkplatz. Andere Kombinationen sind natürlich auch möglich.

 

 

Die Salse di Nirano sind ein wirklich besonderes Naturschauspiel, das man am sich besten mit einer kleinen Wanderung erschließt (man kann natürlich auch “hinfahren”): Mehrere vielleicht 2-5 m hohe Schlammkrater spucken von Zeit zu Zeit kalten, feinen grauen Schlamm aus, der die Schlammkegel bildet. Sie werden nicht sehr hoch da der Schlamm schnell wieder zerfließt.

Salse di Nirano bei Maranello

 

Weiterführendes


Interessantes über den Aceto Balsamico in deutscher Sprache: www. AcetoBalsamico.de
Anselmo da Campione : Detailaufnahme im Pontile des Domes
Galleria Ferrari in Maranello
Naturpark Salse di Nirano:
Offizielle Webseite
 


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