Rundfahrt durch die Provinz Parma

Rundfahrt durch Verdis Heimat

Rundfahrt durch die nordwestliche Provinz Parma - Verdis Heimat
(mindestens ein Tag, besser zwei)

Hotelempfehlung und Ausgangspunkt: Locanda del Lupo in Soragna

Wegbeschreibung:

Von Soragna in über die Autobahn hinweg nach Fidenza, auf der Via Emiliana nach Parma. Nach dem Mittagessen Besuch von Fontanellato, von dort über Zibello nach Busseto, Roncole zurück nach Soragna

Abendessen im Ristorante Stella d´Oro in Soragna (am besten das “Überraschungsmenu” bestellen)

 

Soragna, Fidenza

Soragna ist ein typisches kleines Städtchen der Emilia, dass um eine Rocca angelegt ist, einem typischen Anwesen zwischen Burg, Wasserschloss und Landsitz, das schon im 10. Jahrhundert urkundlich erwähnt wurde. Das im 16. und 19. Jhrd zweimal umgewandelte ehemalige Kastell kann besichtigt werden und bietet einige interessante Säle mit gut erhaltener Ausstattung. Die adlige Familie residiert noch heute im Gemäuer.

anklicken, um zum Panorama zu kommen: Bei Soragna

Die vorgeschlagene Rundtour führt von Soragna nach Fidenza, wo auf jeden Fall der Dom San Donino besichtigenswert ist - leider im Mai 2002 total eingerüstet und “in Restauro”. Dom als auch Stadt beziehen ihren legendären Ursprung aus dem Tod des Märtyrers Domninus, der als kaiserlicher Hofbeamter 291 zum Christentum bekehrt wurde. Er verließ seine Truppe, die in Germanien umherzog unerlaubterweise und wurde schließlich nahe Fidenza gefangen genommen und geköpft. Da nahm er seinen Kopf unter den Arm und ging ins Städtchen, um sich dort begraben zu lassen. Die Westfassade des Domes soll besonders beeindruckend sein - vielleicht wenn die Plastikfolien wieder weg sind.


Parma

Parma - Stadtplan

 

Rundgang durch Parma (ca. 3 h mit Besichtigungen)

Wegbeschreibung:

Vom Palazzo del Governatore über die Strada della Republica zur Via XX Marzo zum Baptisterium und Duomo. Von dort über die Camera San Paolo (Via Macedonio Melloni) zum Palazzo della Pilotta (mit Teatro Farnese, Biblioteca Palatina und Galleria Nazionale). Zurück zum Palazzo del Governatore

Karte der Altstadt von Parma mit Strassennamen bei parmaitaly.it


 

 

 

 

Bei Parma - Parmiggiano Reggiano kommt in den Verkaufsraum Auf der Fahrt entlang der Via Emilia von Fidenza nach Parma kündigt sich die Stadt schon von Weitem mit ihrem wohl bekanntesten Markenzeichen an: Parmigiano-Reggiano Schilder weisen darauf hin, dass genau hier - und nur hier - der bei uns lapidar Parmesan genannte Hartkäse hergestellt wird. Die Zusammensetzung des frischen Grünfutters und eine spezielle Herstellungstechnik (siehe Weiterführendes) garantieren eine gleichbleibende Qualität der großen Leiber, die aus etwa 600 Litern Milch hergestellt werden und ein bis fünf Jahre lagern, bevor sie verkauft werden. Dabei wird der Reifegrad ständig durch Klopfen überprüft.

Überhaupt ist die Region um Parma ein Zentrum der Landwirtschaft, das Parmalat Werk westlich von Parma ein Weltkonzern und neben dem Parmigiano Reggiano ist natürlich auch der Parmaschinken bei uns “in aller Munde”. Eine hervorragende Kaufgelegenheit der regionalen Produkte bietet sich übrigens - sozusagen im Vorbeifahren bei der Durchreise zurück nach Deutschland - ganz unmittelbar nahe der Autobahnabfahrt Fidenza der A1, ca. 1 km in Fahrtrichtung Fidenza. Ein großer Pavillon mit Produkten der Region lädt zum Vollstopfen noch der letzen Ritze im Auto ein.Parma - Piazza del Duomo mit Campanile und Baptisterium

Parma selbst bietet natürlich neben den üblichen besten Gelegenheiten zum Schlemmen auch eine ganze Reihe von Sehenswürdigkeiten für den kunstgeschichlich interessierten Besucher. Allen voran steht nach meiner Meinung die Piazza del Duomo, die mit dem Dom Santa Maria Assunta (Maria Empfängnis), dem achteckigen Baptisterium und dem bischöflichen Palazzo del Vescovade an seiner Westseite ein ganz besonders eindrucksvolles Architekturbild abgibt. Wer genau hinschaut kann erkennen, dass eigentlich der linke Campanile des Domes fehlt: der Stumpf ist heute ein Kiosk für Devotionalien.

Der Grundstein des Domes wurde vermutlich Mitte des 11. Jahrhunderts von Kadaloh von Parma gelegt - einem Sproß einer hochadlichen Veroneser Sippe, der im Konflikt zwischen deutschem Kaiser und römischer Kurie vorbehaltlos zur KParma - Duomo: Monatsbild Mairone hielt und der es sogar unter wirren Umständen bis zum Papst brachte. Große Teile des Baus bestehen aus dem Exportartikel Nummer Eins der Stadt Parma im Mittelalter: Ziegel. Nicht immer sind diese sichtbar, viele Teile - auch die Fassade - sind mit Sandstein verkleidet.

Wie auch in anderen Städten der Emilia sind die sogenannten Monatsbilder über dem Hauptportal ein besonders erwähnenswertes Kunstwerk, dem man etwas Aufmerksamkeit widmen sollte: Beginnend mit dem Monat März (Maria Empfängnis) zieht sich der Zyklus durch das Jahr: Aussaat, Pflege und Ernte werden bildlich dargestellt, andere hübsche Motive (rechts beispielsweise ein Ritter, der sein Pferd im Monat Mai ausführt) ergänzen den Reigen.Parma - Duomo: Ausschnitt aus Antelamis Kreuzabnahme

Der Dom ist eine dreischiffige romanische Emporenbasilika mit eindrucksvoller Ausmalung. Die Vierung steht häufig im Mittelpunkt des Interesses: eine großartige Darstellung Correggios der Aufnahme Mariens in den Himmel, die aufgrund des vielen sichtbaren Fleisches allerlei Engelchen schon früh auf Kritik gestoßen ist: er fühle sich “an ein Ragout aus Froschschenkeln” erinnert, äußerte der erboste Domprobst bei der Enthüllung. Neben vielen weiteren bedeutenden Kunstwerken kann ich eine Kreuzabnahme von Benedetto Antelami auch als Aufnahme zeigen (links): eines Künstlers aus Parma, der die romanische Steinmetzkunst im 12. Jahrhundert erneuerte. Der im Jahr 1837 in irgendeinem Kellerwinkel wiedergefundene und heute prägnant im Hauptchor präsentierte Bischofsthron des oben erwähnten Kadaloh von Parma stammt übrigens auch von ihm, genauso wie das 1196 begonnene Baptisterium.Parma - Baptisterium: Malerei in der Kuppel

Diese achteckige Taufkirche ist ganz aus Veroneser Marmor errichtet und besitzt drei Portale. Der Figurenschmuck über der “Porta della Vergine” (Domplatz, Nordseite) zeigt Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers von der Taufe Jesu bis hin zu seiner Enthauptung auf Verlangen der Salome. Das Westportal zeigt verschiedene Szenen: Werke der Barmherzigkeit, das Gleichnis vom Weinberg, Christus als Weltenrichter und Szenen des Jüngsten Gerichts. Das Südportal zeigt eine mir ganz unbekannte Legende: Barlaam und Josaphat, eine Geschichte, die auf Grundlage eines orientalischen Märchens ausgestaltet wurde.

Wie auch die Kathedrale ist das Baptisterium innen mit großer Farbigkeit ausgestaltet: Szenen aus dem alten Testament wie Sodom und Gomorra, das Opfer des Issak und andere. Die Fresken im unteren Teil sind vielleicht einhundert Jahre jünger und zeigen ganz unterschiedliche Motive. Bekannt sind zudem große Plastiken, die die Jahreszeiten und Monate symbolisch darstellen und die ringsum frei aufgestellt wurden.

Unmittelbar hinter dem Dom liegt das Kloster San Giovanni Evangelista , gegründet um 985 und verdienstvoll für Krankenpflege und Sozialdienste der Stadt Parma über die Jahrhunderte. Auch seine große Kirche ist mit wertvollen Fresken, zum großen Teil von Corregio und Francesco Mazzola (Parmigianino) ausgemalt. Apotheker dürfen die berühmte historische Apotheke des Klosters nicht versäumen, in deren Räumen aus dem 16. Jahrhundert sich noch vollständig erhaltenes Inventar und eine Sammlung mit Apothekengefäßen befindet.

Parma - Stadt der BicilistiParma - Stadt der BicilistiParma - Stadt der Bicilisti

In einer kleinen Nebenstraße (Via Macedonio Melloni) befindet sich das Nonnenkonvent San Paolo, dem man gewiß nicht sehr viel Aufmerksamkeit schenken würde, wenn es dort nicht eine ein regelrecht mondän (natürlich von Corregio) ausgemaltes Speise- und Empfangszimmer gäbe: Die Camera di San Paolo. Die freizügigen Szenen waren der Kurie ein derart großer Dorn im Auge, dass das Zimmer nach dem Tod der Äbtissin für 250 Jahre verschlossen wurde und erst Ende des 18. Jhds wieder entdeckt wurde (s. Weiterführendes für Bilder)

Nur einige Schritte weiter tritt man auf die große Piazza della Pace und steht mehr oder weniger weit vor dem Palazzo della Pilotta. Er enthält mehrere verschiedene Museen (u.a. die Galeria Nazionale) sowie als Glanzstück das hölzerne Teatro Farnese. Die gesamte Anlage war darauf ausgelegt zu imponieren - dabei ging jedoch das Geld aus und das ganze Ensemble wurde an vielen Stellen nur notdürftig vollendet.

Parma - Duomo: Ausschnitt aus Antelamis KreuzabnahmeDas Teatro Farnese wurde im Jahr 1618 im Obergeschoß aus Tannenholz erbaut und bietet bis zu 4000 Zuschauern Platz. Ursprünglich ein Waffensaal, wurde es das erste Theater, dessen Besucherraum nicht halbkreisförmig sondern - wie auch heute noch üblich - in Hufeisenform angeordnet ist. Mittlerweile ist der Wiederaufbau nach der völligen Zerstörung im zweiten Weltkrieg abgeschlossen und es finden wieder Veranstaltungen in dieser großartigen Selbstkulisse statt.

Vorbei am Teatro Regio führt der Weg zur Piazza Garibaldi, wo man zum Abschluß des Besuchs noch einen Espresso genießen kann und in Palazzo Governatore den Normziegel suchen kann, der dort eingelassen ist und die Maße des Exportschlagers des Mittelalters dokumentiert.

 

Fontanellato - Wasserschloss SanvitaleFontanellato

Ein ganz besonders schönes Beispiel der typischen emilianischen Wasserburgen findet sich in Fontanellato, wo seit dem 14. Jahrhundert die Familie der Sanvitale residierten. Heute beherbergt die Rocca die Gemeindeverwaltung, trotzdem kann man in Gruppen einige Räume besichtigen. Wie so oft in der Region Parma ist ein von Parmigianino ausgemalter Raum, diesmal ein Salon (Boudoir), der Höhepunkt der Besichtigung. Es zeigt die Geschichte des Aktäon darstellt, wie er die Göttin Diana beim Bade beobachtet und von ihr zur Strafe in einen Hirschen verwandelt wird und der daraufhin von seinen eigenen Hunden zerrissen wird.

Ein Kuriosum ist ein Zimmerchen im Rundturm - die Camera Ottica - , aus dem heraus über eine Spiegelkonstruktion der Freiplatz zwischen Kirche und Kastell beobachtet werden konnte.


Bei Zibello: Kirchlein
Über Zibello nach Busseto und Rocole

Wenn man noch etwas Zeit übrig hat, kann man über Zibello nach Busseto fahren: in den Kern von Verdiland. Zibello ist bekannt für seinen Culatello: den feinsten Teil der hinteren Schweinskeule, luftgetrocknet wie der Parmaschinken. Leider ist vom Po nicht viel zu sehen, sehr mühsam habe ich mir einen Weg gesucht, um wenigstens einen Blick auf den Fluß zu werfen und das unten stehende Panoramabild aufzunehmen.

Wir sind nun mitten in der flachen Bassa und erreichen Busseto ober besser noch zunächst das ganz in der Nähe gelegene Roncole, in dem Giuseppe Verdi, Italiens bedeutendster Musikdramatiker 1813 geboren wurde. 27 Opern gehen auf sein Konto: “Rigoletto”, “Der Troubadour”, “La Traviata”, “Don Carlos”, “Aida” und “Othello” sind die bekanntesten. Verdi stammte aus ganz einfachen Verhältnissen, sein Geburtshaus ist seit seinem Tod 1901 Nationaldenkmal und kann natürlich besichtigt werden. Busetto - auf der Piazza Verdi mit der Rocca deii PallavicinoVerdi hat mit Glück einflussreiche Gönner aus Mailand gefunden, die seine Ausbildung finanzierten und die ihm auch später häufig beistanden.

Das eigentliche Zentrum des Verdikultes ist jedoch Busseto, in dem er nicht nur zur Schule ging, sondern in dem er auch später seinen Wohnsitz nahm: in der von ihm errichteten herrschaftlichen Villa di Sant´Agata. Die Bürger von Busseto haben ihm den Ruhm, der nun auch ihr Städtchen fiel durchaus gedankt, ein Theater hat man erbaut und ihm gewidmet und mehrere prägnante Orte (die Casa Barezzi, das Haus seines Gönners und Schwiegervaters, den Palazzo Orlandi und natürlich die Villa Sant’Agata) sind zeitweise geöffnet und geben einen guten Eindruck vom Leben Verdis. Natürlich gibt es auch eine Piazza Verdi mit passender Statue.

 

 

Interaktive Panoramabilder (anklicken)


Typische Landschaft der Emilia bei Soragna

anklicken, um zum Panorama zu kommen: Bei Soragna

Bei Zibello am Poufer

anklicken, um zum Panorama zu kommen: Bei Zibello am Poufer


 

Weiterführendes


Parmigiano-Reggiano : Interessantes rund um den Käse mit Bestellmöglichkeit
Fontanellato: Virutuelle
Besichtigung des Wasserschlosses (in italiensch)
Correggio bei
Web Gallery of Arts: Frescos in Parma mit Biographie und weiteren Werken
Benedetto Antelami bei
Web Gallery of Arts: Skulpturen und Werke mit Biographie
Parmigianino - Die Künste und die Höfe: Neue Wege zur Entdeckung der Renaissance in der Provinz Parma
Giuseppe Verdi:
Leben und Werk umfassend dargestellt (in englischer Sprache)
 


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