|
Auf der Fahrt entlang der Via Emilia von Fidenza nach Parma kündigt sich die Stadt schon von Weitem mit ihrem wohl bekanntesten Markenzeichen an: Parmigiano-Reggiano Schilder
weisen darauf hin, dass genau hier - und nur hier - der bei uns lapidar Parmesan genannte Hartkäse hergestellt wird. Die Zusammensetzung des frischen Grünfutters und eine spezielle
Herstellungstechnik (siehe Weiterführendes) garantieren eine gleichbleibende Qualität der großen Leiber, die aus etwa 600 Litern Milch hergestellt werden und ein bis fünf Jahre lagern,
bevor sie verkauft werden. Dabei wird der Reifegrad ständig durch Klopfen überprüft.
Überhaupt ist die Region um Parma ein Zentrum der
Landwirtschaft, das Parmalat Werk westlich von Parma ein Weltkonzern und neben dem Parmigiano Reggiano ist natürlich auch der Parmaschinken bei uns “in aller Munde”. Eine hervorragende Kaufgelegenheit der regionalen
Produkte bietet sich übrigens - sozusagen im Vorbeifahren bei der Durchreise zurück nach Deutschland - ganz unmittelbar nahe der Autobahnabfahrt Fidenza der A1, ca. 1 km in Fahrtrichtung Fidenza. Ein großer
Pavillon mit Produkten der Region lädt zum Vollstopfen noch der letzen Ritze im Auto ein.
Parma selbst bietet natürlich neben den üblichen besten
Gelegenheiten zum Schlemmen auch eine ganze Reihe von Sehenswürdigkeiten für den kunstgeschichlich interessierten Besucher. Allen voran steht nach meiner Meinung die Piazza del Duomo, die mit dem Dom Santa Maria Assunta (Maria
Empfängnis), dem achteckigen Baptisterium und dem bischöflichen Palazzo del Vescovade an seiner Westseite ein ganz besonders eindrucksvolles Architekturbild abgibt. Wer
genau hinschaut kann erkennen, dass eigentlich der linke Campanile des Domes fehlt: der Stumpf ist heute ein Kiosk für Devotionalien.
Der Grundstein des Domes wurde vermutlich Mitte des 11.
Jahrhunderts von Kadaloh von Parma gelegt - einem Sproß einer hochadlichen Veroneser Sippe, der im Konflikt zwischen deutschem Kaiser und römischer Kurie vorbehaltlos zur K rone hielt und der es sogar unter wirren
Umständen bis zum Papst brachte. Große Teile des Baus bestehen aus dem Exportartikel Nummer Eins der Stadt Parma im Mittelalter: Ziegel. Nicht immer sind diese sichtbar, viele Teile
- auch die Fassade - sind mit Sandstein verkleidet.
Wie auch in anderen Städten der Emilia sind die sogenannten
Monatsbilder über dem Hauptportal ein besonders erwähnenswertes Kunstwerk, dem man etwas Aufmerksamkeit widmen sollte: Beginnend mit dem Monat März (Maria Empfängnis) zieht sich der Zyklus durch das Jahr: Aussaat,
Pflege und Ernte werden bildlich dargestellt, andere hübsche Motive (rechts beispielsweise ein Ritter, der sein Pferd im Monat Mai ausführt) ergänzen den Reigen.
Der Dom ist eine dreischiffige romanische Emporenbasilika mit eindrucksvoller Ausmalung. Die Vierung steht häufig im Mittelpunkt des Interesses: eine großartige Darstellung
Correggios der Aufnahme Mariens in den Himmel, die aufgrund des vielen sichtbaren Fleisches allerlei Engelchen schon früh auf Kritik gestoßen ist: er fühle sich “an ein Ragout aus
Froschschenkeln” erinnert, äußerte der erboste Domprobst bei der Enthüllung. Neben vielen weiteren bedeutenden Kunstwerken kann ich eine Kreuzabnahme von Benedetto
Antelami auch als Aufnahme zeigen (links): eines Künstlers aus Parma, der die romanische Steinmetzkunst im 12. Jahrhundert erneuerte. Der im Jahr 1837 in irgendeinem Kellerwinkel
wiedergefundene und heute prägnant im Hauptchor präsentierte Bischofsthron des oben erwähnten Kadaloh von Parma stammt übrigens auch von ihm, genauso wie das 1196 begonnene Baptisterium.
Diese achteckige Taufkirche ist ganz aus Veroneser Marmor errichtet und besitzt drei Portale. Der Figurenschmuck über der “Porta della Vergine” (Domplatz, Nordseite) zeigt Szenen aus dem Leben Johannes
des Täufers von der Taufe Jesu bis hin zu seiner Enthauptung auf Verlangen der Salome. Das Westportal zeigt verschiedene Szenen: Werke der Barmherzigkeit, das Gleichnis vom Weinberg, Christus als
Weltenrichter und Szenen des Jüngsten Gerichts. Das Südportal zeigt eine mir ganz unbekannte Legende: Barlaam und Josaphat, eine Geschichte, die auf Grundlage eines orientalischen Märchens ausgestaltet wurde.
Wie auch die Kathedrale ist das Baptisterium innen mit großer Farbigkeit ausgestaltet: Szenen aus dem alten Testament wie Sodom und Gomorra, das Opfer des Issak und andere. Die Fresken im unteren
Teil sind vielleicht einhundert Jahre jünger und zeigen ganz unterschiedliche Motive. Bekannt sind zudem große Plastiken, die die Jahreszeiten und Monate symbolisch darstellen und die ringsum frei aufgestellt wurden.
Unmittelbar hinter dem Dom liegt das Kloster San Giovanni Evangelista
, gegründet um 985 und verdienstvoll für Krankenpflege und Sozialdienste der Stadt Parma über die Jahrhunderte. Auch seine große Kirche ist mit
wertvollen Fresken, zum großen Teil von Corregio und Francesco Mazzola (Parmigianino) ausgemalt. Apotheker dürfen die berühmte historische Apotheke des Klosters nicht versäumen, in deren Räumen aus
dem 16. Jahrhundert sich noch vollständig erhaltenes Inventar und eine Sammlung mit Apothekengefäßen befindet.
 
In einer kleinen Nebenstraße (Via Macedonio Melloni) befindet sich das Nonnenkonvent San Paolo, dem man gewiß nicht sehr viel Aufmerksamkeit schenken würde, wenn es dort nicht eine ein regelrecht mondän
(natürlich von Corregio) ausgemaltes Speise- und Empfangszimmer gäbe: Die Camera di San Paolo. Die freizügigen Szenen waren der Kurie ein derart großer Dorn im Auge, dass das Zimmer nach dem Tod der
Äbtissin für 250 Jahre verschlossen wurde und erst Ende des 18. Jhds wieder entdeckt wurde (s. Weiterführendes für Bilder)
Nur einige Schritte weiter tritt man auf die große Piazza della Pace und steht mehr oder weniger weit vor dem
Palazzo della Pilotta. Er enthält mehrere verschiedene Museen (u.a. die Galeria Nazionale) sowie als
Glanzstück das hölzerne Teatro Farnese. Die gesamte Anlage war darauf ausgelegt zu imponieren - dabei ging jedoch das Geld aus und das ganze Ensemble wurde an vielen Stellen nur notdürftig vollendet.
Das Teatro Farnese wurde im Jahr 1618 im Obergeschoß aus
Tannenholz erbaut und bietet bis zu 4000 Zuschauern Platz. Ursprünglich ein Waffensaal, wurde es das erste Theater, dessen Besucherraum nicht halbkreisförmig sondern - wie auch heute
noch üblich - in Hufeisenform angeordnet ist. Mittlerweile ist der Wiederaufbau nach der völligen Zerstörung im zweiten Weltkrieg abgeschlossen und es finden wieder Veranstaltungen in dieser
großartigen Selbstkulisse statt.
Vorbei am Teatro Regio führt der Weg zur Piazza Garibaldi, wo man zum Abschluß des Besuchs noch einen Espresso genießen kann und in Palazzo Governatore den Normziegel suchen kann,
der dort eingelassen ist und die Maße des Exportschlagers des Mittelalters dokumentiert.
|