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Piacenza
Rundgang durch Piacenza : Vom Dom
zur Kirche Santa Maria di Campagna (ca. 3 h)
Wegbeschreibung:
Vom Bahnhof durch den Giardino
Pubblico zum Duomo Santa Maria Assunta, durch die Via XX Settembre zur Piazza dei Cavalli, Reiterstandbilder und “Il Gotico” - Capuccino-Pause? - hinter dem “Il Gotico” durch die Via Calzolai bis zur
Via C Poggiali, nach links zur Piazza Borgo, halbrechts in die V. di Campagna, an San Sepolcro vorbei, an einem Hospitale vorbei zur Kirche Santa Maria di Campagna
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1122 begann die Bürgerschaft (!) von Piacenza mit dem Bau einer neuen Kathedrale
: nicht an der Stelle der Vorgängerbauten, die sind bis ins Jahr 375 nachweisbar, sondern förmlich “neben” dem älteren Dom - der übrigens 1544 abgerissen wurde.
Der Grund dafür liegt in der für die Region typische Herrschaftsentwicklung: eine wohlhabende Bürgerschicht gewinnt zunehmend an Einfluß auf die Städte und macht sich in gewisser Weise
unabhängig von Adel und Bischof: angeblich hatte man nicht einmal diesen gefragt, als man mit dem Bau anfing und erst viele Jahre nach Fertigstellung (1233) wird der Bau als Kathedrale vom Bischof akzeptiert.
Entsprechend der über 100 jährigen Bauzeit finden sich sowohl romanische als auch gotische Stilelement an Fassade und im Inneren des Bauwerks. Zusätzlich wurden anschließend noch zahlreiche
Umgestaltungen vorgenommen, so an dem großen Hauptportal, das 1563 neu gestaltet wurde. Mittelalterlich dagegen die belassenen Seitenportale, einer der beiden Atlanten ist unten links zu sehen (er
muss schon ziemlich müde vom langen Tragen sein!). Vielleicht stehen die beiden Atlanten als Symbol für die Laster Wucher und Geiz - ohne diese wären vermutlich auch die Piacenzer Kaufleute nicht in der Lage gewesen,
eine solche Kathedrale zu errichten :-). Beachtenswert - wie an vielen Kirchen der Emilia Romagna - die Rahmungen der Portale, die biblische Geschichten wiedergeben.
Eine Zwerggalerie umzieht das gesamte Gebäude. Der 71 m hohe Campanile ist aus Ziegelsteinen gemauert, die Kegelspitze trägt einen 1341 aufgestellten
drei Meter hohen Bronzeengel. Der auch im Bild oben rechts erkennbare Eisenkäfig hatte wohl mehr eine symbolische, als eine reale Bedeutung: er
wurde 1495 angebracht, um dort notorische Gotteslästerer zur Schau zu stellen - benützt wurde er jedoch nie.
Das Innere ist nach einem Rückbau im 19. Jhd. verhältnismäßig schlicht: mächtige Säulen streben in die Höhe - Zünfte haben sich darauf in Reliefs verewigt (ein solches Handwerksbild als Beispiel bei Thais.it). Die Vierung ist mit Fresken ausgestaltet, die eigentlich nicht so recht hierhin passen (sie wurden im 16. Jhd von Bologneser Künstlern angefertigt).
Sehenswert auch die große Hallenkrypta unter dem
Presbyterium, 108 Marmorsäulen tragen die Decke.
Durch die Via XX. Settembre gelangt man zur Piazza dei Cavalli - ein schönes Fleckchen für den Besuch eines Cafes mit Blick auf das großartige Rathaus “Il Gotico”
. Während das zur Piazza hin offene Untergeschoss aus Kalkstein errichtet wurde, besteht das Obergeschoss aus Ziegelmauerwerk. Ein Zinnenkranz bildet den Abschluß zum Dach hin. Sowenig wie der Dom vom Bischof,
ebensowenig wurde das Rathaus von der Kommune erbaut: Alberto Scoto, einer der Gewaltherrscher Piacencas schenkte seinen Bürgern diesen Bau. Das Schenken fiel ihm natürlich sehr
leicht, da ja auf Kosten der Bürgerschaft prächtig lebte. Die Zeiten hatten sich ab der Mitte des Ducento (13. Jhd) gewandelt, nicht mehr die Bürger selbst, sondern adlige Herrscher
dominierten in der Stadt: dem Markgrafen Pallavicini folgte der Graf von Anjou und schließlich Alberto Scoto. Tyrannen und eigennützige Familien wechselten sich bis ins 16. Jhd ab. Eine der
bekanntesten Familien war die der Farnese, die ab 1545 über die Stadt regierten.
Zwei dieser Familienmitglieder sind als Reiter auf mächtigen Standbildern verewigt: Alessandro Farnes (+1592) und sein Sohn Ranuccio I. (+1622) - wir stehen auf der Piazza dei Cavalli.
Interessant die Darstellung des doch recht gegensätzlichen Lebenswerkes der beiden auf den Sockelreliefs: während bei Alessandro seine kriegerischen Erfolge in den Spanischen Niederlanden
hervorgehoben werden, sieht man bei Ranuccio Szenen aus seinem beinahe caritativ zu nennenden Werkes in Parma und Piacenza. Beide Reiterstandbilder sind von Francesco Mochi geschaffen worden und gelten als
herausragende Barockarbeiten.
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Rundfahrt durch
die Provinz Piacenza
Dauer: ein ganzer Tag, insgesamt ca.
190 km
Start in Piacenza, Fahrt entlang der Trebbia auf der S45 bis Bobbio (50 km, ca 1 h), Stadtrundgang und “Bucklige Brücke”, weiter durch das enger werdene Tal bis Marsaglia, von dort über kurvenreiche und enge
Straße hinüber nach Ferriere (ca. 1 1/2 h von Bobbio). Durch das Tal der Nure auf der S 654 bis Grazzano Visconti (ca 1 h), Besichtigung, nach Castell Arquato und von dort nach Chiaravalle della Colomba. Zurück
über die Via Emilia (S 9) nach Piacenza
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Bobbio
Kaum ist man aus der Stadt Piacenza heraus, beginnt der
zunächst fast unmerkliche Anstieg in eine Emilia Romagna, die ganz anders ist, als die der Poebene: eine grüne Hügellandschaft begleitet uns auf der Fahrt entlang der Trebbia bis Bobbio. Sie ist
eine der “größeren kleinen” Flüsschen, die den Appennin entwässern und die nach Schneeschmelze oder starken Regenfällen zu einem vielfachen ihrer normalen Ausdehnung
anschwellen und deshalb ein beachtliches Flußbett geschaffen haben.
Hier im Tal der Trebbia kam es - nebenbei bemerkt - im Jahr 218 zu einer der drei großen Niederlagen der römischen Legionen gegen Hannibal, der seine Streitmacht mit dem gesamten Troß
und den berühmten Elefanten von Spanien und Südfrankreich aus über die Westalpen nach Oberitalien gebracht hatte. Von der späteren militärischen Bedeutung des Verbindungstales in die Toskana zeugen noch heute viele Burgen und Burgruinen links
und rechts unseres Weges.
Der irische Mönch Columban (*543 in Irland, + 615 in Bobbio) war es, der auf seinem Missionierungszug durch Franken und weiter ins Langobardenreich von König Agilulf die Erlaubnis zur
Gründung eines Klosters im Trebbiatal erhielt: der Abtei Bobbio. Der dem arianischen Glauben anhängende Agilulf war unter dem Einfluß seiner katholischen Frau Theodelinda vor allem aus
sicherheitspolitischen Gründen bereit, dem als übermäßig eifernd und zur schärfsten Buße rufenden Wanderprediger die Ansiedlung von Mönchen zu erlauben, versprach er sich doch
unverzügliche Nachrichten bei Einfallen des Feindes von Süden her.
Die Abtei Bobbio gelangte schon nach kurzer Zeit zu großer Blüte und hat insbesondere durch die hier entstandenen unzähligen Abschriften bedeutender antiker klassischer Bücher herrausragende Bedeutung.
Nach wechselvoller Geschichte erfolgte 1803 im Zuge der Napoleonischen Feldzüge die Auflösung und das “Aus” für Kloster und angeschlossene Bibliothek. Abtei und sehenswertes Klostermuseum
sind unregelmäßig geöffnet (Öffnungszeiten des Museo dell’ Abbazia di S. Colombano hoffentlich aktuell hier)
Wahrzeichen des Ortes ist die “Bucklige Brücke” Ponte Vecchio: elf Bögen, einige davon noch römischen Ursprungs, überspannen die Trebbia.
Von Bobbio aus wird das Tal der Trebbia immer enger und schließlich zur Schlucht, an deren Absturz die Straße S 45 entlang führt. Bei dem Dörfchen Marsaglia zweigt eine winzige Straße über den Passo di
Cerreto in Richtung Ferriere ab. Von dort geht es über Bettola durch das Tal der Nure flußabwärts bis Grazzano Visonti (obwohl es nur relativ wenige Kilometer sind, zieht sich insbesondere die Fahrt zwischen
Marsaglia und Ferriere ziemlich!)
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Grazzano Visconti
Kurz vor Piacenza gelangt man auf der oben gezeigten Rundtour in das vermeintlich historische Städtchen Grazzano Visconti: Als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme in wirtschaftlich schwieriger Zeit
ließ Graf Giuseppe Visconti um 1900 ein ganzes “mittelalterliches” Dorf errichten und ermunterte seine Hintersassen dazu, alte Gewerbe wieder lebendig werden zu
lassen. Diese Reminiszenzen locken heute Schulklassen und viele Tagesausflügler an - da es keinen Eintritt kostet, kann sich jeder selbst ein Bild davon machen, ob ihm das gefällt und
vielleicht ein Kaffeepäuschen auf einem unechten historischen Marktplatz genießen.
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Castell’ Arquato
Ganz anders dagegen Castell’ Arquato, das man über ein kleines Sträßchen von Grazzono Visconti aus erreicht: hier ist alles echt und trotzdem meint man in einem Märchendorf zu sein. Schon unter den
Römern wurde hier ein Castell errichtet, das von den Langobarden verstärkt und schließlich im Mittelalter zum heute noch erhalten Burgkomplex erweitert wurde. Von der Unterstadt steigt man steil die
Gassen zur Burg Rocca Viscontea hinauf, die einen großen Teil der gesamten Oberstadt ausmacht.
An der Piazza Matteotti liegen unter anderem die romanische Chiesa Collegiata di Santa Maria Assunta mit ihrem “zurückrestaurierten” einfachen romanischen Innenraum und der Palazzo del Podesta
(Palazzo Pretorio), dessen Bau im Jahr 1293 unter der Herrschaft des Alberto Scoto (siehe Piacenza) begonnen wurde, der aber in den folgenden Jahrhunderten zahlreiche Erweiterungen erhielt.
Schön der Blick von der Rocca auf die Hügellandschaft des Piacentino (siehe unten bei den Panoramabildern).
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Abbazia Chiaravalle della Colomba
Zum Abschluß des Tages bietet sich
noch ein Abstecher zum Kloster Chiaravalle an. Eingezwängt zwischen Via Emilia und der Autostrada glänzt diese älteste Zisterzienserabtei Italiens mit einem gut erhaltenen und sehr schönen Kreuzgang. Bernhard von
Clairvaux (italienisch: Chiaravalle) gründete sie etwa um 1135. Eine weiße Taube (Colomba) soll ihm der Legende nach dabei den Platz gewiesen haben.
In der handfesten Tradition der Zisterzienser (bete und arbeite - ora et labora) hat das Kloster beachtliches
zur Kultivierung der Sümpfe und Auenwälder der Poebene geleistet. Zahlreiche Tochterklöster - einige davon Nonnenklöster mit starker sozialer Ausrichtung entstanden im Umfeld.
Das Kloster entspricht vollständig dem typischen Bauplan der Zisterzienserklöster (siehe hierzu z.B. Zisterzienser in Brandenburg: Architektur und Kunst): eine große schlichte und schmucklose Kirche aus Ziegelsteinen, ein Kreuzgang sowie ein Kapitelsaal mit gotischen Formen und andere Nebensäle. An
Fronleichnam wird der Boden der Klosterkirche mit einem herrlichen Blumendekor versehen.
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Interaktive Panoramabilder (anklicken)
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360 Grad Panoramaaufnahme der Bucklige Brücke, Ponte Vecchio bei Bobbio
Castell’ Arquato: Blick von der Rocca
360 Grad Panorama: der Kreuzgang von Chiaravalle della Colomba
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Weiterführendes
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Agonet.it: Rundgang durch das gotische Piacenza (in italienischer Sprache) Karte der Provinz Piacenza Grazzano Visconti: Die offizielle Seite
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