Pozzuoli - Baia - Monte di Procida - Cuma - Arco Felice

Karte: Rundfahrt durch die Campi Flegri

Rundfahrt zu den klassischen Sehenswürdigkeiten der Phlegräischen Felder: ganztags (8-9 h)

Wegbeschreibung: Ausfahrt Agnoni von der Tangenziale Richtung Pozzuoli, kurz vor der Stadt rechts zum Solfatara Krater (Besichtigung 1,5 h). Weiter nach Pozzuoli zum Amphiteatro (Besichtigung 30 min), vielleicht noch Altstadt (1 h). Weiter nach Baia (Besichtigung, Pause?, ca 2 h) zum Castello di Baia mit Regionalmuseum (1 h). Über Bacoli und Monte Procidia mit vielen Aussichtsmöglichkeiten nach Cuma (1 h). Besuch der Sybillinischen Grotte, der Akropolis (2 h). Zurück zur Tangenziale.

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 Solfatara KraterDer heutige Tag kann getrost unter das Motto “Die klassische Studienreiseetappe” gestellt werden. Kaum eine Studiosus oder Dr. Tigges Tour dürfte den westlich Neapels gelegenen Küstenstreifen um das Kap Miseno, die alte griechische Stadt Cumae und den heute noch rauchenden Solfatarakrater auslassen.

Seit der Antike - die Griechen gründeten bereits um das 7. vorchristliche Jahrhundert hier ihre ersten Kolonien - sind mit den Campi Flegri, den Brennenden Feldern, Mythen der Vorwelt verbunden, die die Bevölkerung und schließliche in der Reflexion auch die Bildungsreisenden im besonderen Masse stimulierten und faszinierten. So galt der Solfatara-Krater als die Schmiede des Feuergottes Hephaistos, der Averner-See (er exhalierte noch bis vor einigen hundert Jahren giftige Dämpfe) wurde als der Eingang zur gesamten Unterwelt erachtet.

Pozzuoli: Flavisches AmphitheaterUnsere Rundreise kann beim Solfatara-Krater beginnen, eine originelle Camping-Möglichkeit mit Swimmingpool bietet sich im Eukalyptuswäldchen unmittelbar daneben - geruchtsempfindlich sollte man jedoch nicht sein. Aus etlichen Ritzen faucht es furchterregend, dem etwa 150 Grad heissen Schlamm bleibt man besser fern. Ein Rundweg mit einigen Hinweisschildern führt durch das völlig vegetationslose Oval, einige Gebäudereste früherer Nutzung der vulkanischen schwefelhaltigen Dämpfe zur Inhalationstherapie finden sich am Kraterrand.

Nur eineinhalb Kilometer entfernt liegt Pozzuoli, interessant natürlich für die klassischen Studiosi wie für geophysikalisch interessierte Zeitgenossen. Pozzuoli: Untergeschoss des flavischen AmphitheatersDer Bradyseismos ist eine Erscheinung, bei der die Erde sozusagen im Zeitlupentempo bebt: zwischen 1982 und 1984 hob sie sich im Altstadtbereich um über 150 cm, was natürlich zu erheblichen Schäden an den Häusern führte und die zum grossen Teil auch heute noch verlassen sind. An den Überresten des Macellum, des antiken Marktes sind Muschelspuren zu erkennen, die belegen, dass sich das gesamte Gelände während der vergangenen 2000 Jahre bereits einmal etwa vier Meter unterhalb des Meeresspiegels befunden hat. Goethe notiert in seiner Italienischen Reise: “...heitere Spaziergänge durch die wundersamste Gegend von der Welt. Unterm reinsten  Himmel der unsicherste Boden.“

Die eindrucksvollste antike Ruine in Pozzuoli ist das Amphitheater, das an der vom Solfatara-Krater kommenden Hauptstrasse gelegen ist. Interessant ist es - neben der Tatsache, dass es das eines der grössten Theater überhaupt ist - durch die sehr gut erhaltenen und zur Besichtigung freigegebenen Untergeschosse, in denen die Ausrüstungsgegenstände der Gladiatoren lagerten, die Raubtierkäfige untergebracht waren und die Kulissen ihren Platz fanden. Christoph Höcker schreibt im Dumont Kunstreiseführer “Golf von Neapel und Kampanien”: “Erfolgreiche Gladiatoren verfügten, wie man aus zahlreichen pompeijanischen Graffiti weiß, über eine bisweilen große Fangemeinde und waren in Eitelkeit und Rivalität durchaus mit heutigen Film-, Sport- oder Popstars vergleichbar. Dabei standen sie meist im Dienst reicher Unternehmer, ganz wie heute Boxer oder Catcher...”. Offensichtlich nach wie vor umstritten ist, ob solche Arenen auch für nachgestellte Seeschlachten (Naumachien) genutzt wurden, bzw. überhaupt genutzt werden konnten.

Baia: LeuchtturmVom Hafen in Baia bietet sich die Gelegenheit, versunkene Villen (-reste) und andere Fragmente des in römischer Zeit wohl ausserordentlich reichen und berühmten Baiae zu sehen. Nero, Caesar und viele andere Kaiser hatten hier ihre Landsitze und zogen wohl die “beste” Gesellschaft des alten Roms hierdurch ebenfalls an. Auch der für seinen Reichtum und seine ausschweifenden Feste bekannte Lucullus lebte in dieser “Edel-Enklave”.

Im Kastell von Baia sind ganz eindrucksvoll einige Funde präsentiert: eine moderne Präsentation eines Nymphäums ragt besonders heraus. Nach Aussagen des Museumspersonals ist eine Erweiterung geplant, die auch Objekte des Archäologischen Nationalmuseums in Neapel übernehmen soll.

Vorbei am Lago Miseno fahren wir hinauf nach Monte di Procidia, von wo aus man einen herrlichen Rundblick über das südlich gelegene gleichnamige Cap und die Inseln Procidia und Ischia hat. Der Lago Fusaro und der Lago d´Averno liegen nördlich in der etwas zersiedelten Region.

Mit der Besichtigung des griechischen Kyme, römCuma: Die Grotte der Sybilleischen Cumae und heutigen Cuma kann der klassische Studientag anständig beendet werden. Bekannt wurde Cumae durch Deiphobe, die Sybille von Cumae. Während Orakel nur (oft zweideutig) antworteten wenn sie gefragt wurden, offenbarten Sybillen ihre Weissagungen spontan und häufig in völliger Ekstase. Überliefert ist die Legende, wonach die Sybille von Cuma ihre in neun Büchern niedergelegten Prophezeiungen (eigentlich wohl Ritualvorschriften?) dem römischen König Superbus zu einem hohen Preis anbot. Obwohl sie als ausserordentlich wertvoll betrachtet wurden, wollte Superbus den Preis nicht zahlen, worauf hin die Sybille drei der neun Bücher vernichtete und die verbleibenden sechs zum gleichen Preis anbot. Als Rom auch jetzt noch nicht auf das Angebot einging, zerstörte sie weitere drei Bände. Dann endlich willigte der König ein und überführte die Bände nach Rom, wo sie über Jahrhunderte in Notzeiten um Rat befragt wurden.

Ein im Jahr 1932 von dem italienischen “Schliemann” Amedeo Maiuri entdeckter, über hundertdreissig Meter in den Tufffelsen führender Schacht wird mit dem Orakel in Verbindung gebracht. Hier soll Äneas an Land gegangen sein wie Vergil im Buch VI der Aeneis, der römischen Version der Äneas-Sage es beschreibt und gleich mit der Sybille in Kontakt gekommen sein. Steintafeln zitieren die entsprechenden Sätze und verleihen dem gesamten Ensemble einen entsprechenden Rahmen.

Arco FeliceAls Tempelhüterin ist die Sybille eng mit dem Apollon-Kult verbunden. Ein dem Apollon geweihter Tempel findet sich auf der oberhalb gelegenen Akropolis, noch höher liegen die Reste des Zeustempels, der später in eine christliche Basilika umgewandelt wurde.

Von der Anhöhe aus hat man einen schönen Blick über das gesamte, teilweise nicht zugängliche Ausgrabungsgelände. Ganz am östlichen Horizont erkennt man den Arco Felice, einen geziegelten Bogen, der einen künstlichen Taleinschnitt überspannt und in römischer Zeit erbaut wurde. Auf antikem Pflaster schliesst man die Runde, wenn man am Abend durch ihn zurück zur Autostrada in Richtung Neapel fährt.

 

 

Panoramabilder (drauf klicken, warten und staunen!)


360 Grad Panorama: Solfatara-Krater

Panoramabild: Solfatarakrater

Panorama: Capo Miseno

Panoramabild Capo Miseno

 

Weiterführendes


Stefanie Siever - Info-Antike: Die Sybille von Cumae
 

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