|
|
Nola - Caserta - Sant´Agata dei Goti - Benevento - Avellino - Valle di Lauro
|
|

|
Rundtour durch das Hinterland von Neapel
Dauer: ganztags (11 h!), ca. 200 km
Wegbeschreibung: Von Nola auf der A30 bis
Caserta Nord - ca. 1 h, zur Reggia (Schloss und Park besichtigen!, ca. 2-3 h), über Madaloni (Strasse Nr. 7), Messercola nach Sant´Agata dei Goti (ca. 1 h), Besichtigung (ca. 1 h), über Frasso nach
Norden zur Strasse 372 und dann nach Benevento (ca. 1 h), Besichtigung (ca. 1 h), über die Strasse 88 nach Avellino (ca. 1 h), von dort weiter nach Süden bis Forino, über den Passo di Lauro ins Valle
di Lauro zum Dörfchen Lauro (ca. 2 h) und von dort weiter nach Nola (ca. 30 min)
|
Seine besten Jahre hat Nola schon hinter sich: ca. 2000 Jahre so ungefähr. Augustus wohnte und starb im Jahr 14 n. Chr. hier und erstaunlich viele
bedeutende Kirchenfürsten werden mit dem quirligen Mittelzentrum im Hinterland von Neapel in Verbindung gebracht. Heute ist es ein Grosshandelszentrum, die riesigen Lagerhallen nördlich der Stadt werden
täglich von hunderten LKWs angefahren.
Östlich Nola beginnt das Valle di Lauro, für den, ders in Kampanien ruhig sucht, ein geeignetes Rifugio. Wir starten in der Gemeinde Lauro inmitten grüner Hügel.
Wir starten von hier zu einem ziemlich langen Tagesausflug (tatsächlich haben wir uns ganz schön verschätzt) und decken uns an der Autostrada für
die geplante Rast im Park von Caserta erst mal mit den nötigen Panini ein. Nach Caserta ist es nicht weit, zufällig finden wir nach der Autobahnausfahrt
das Schloss auf Anhieb (nach der Autobahnausfahrt links halten). Eine riesige Parkgarage erinnert noch an den Trubel des grossen G7-Gipfeltreffens von
1994, bei dem Bill und Hillary Clinton das frisch renovierte Schloss auch so “beautiful” fanden.
“Das Treppenhaus in Caserta, hoch und luftig, bequem und
glanzvoll, mit Säulen, Gemälden, Stukkaturen überreich ausgestattet, ist der Musterbau dieser Art; keines der berühmten Treppenhäuser in Palästen Italiens kann mit ihm
wetteifern. Die Scala regia Berninis im Vatikan weicht ihm wenigstens in Eleganz. Über diese glänzenden Marmorstufen und durch die strahlende Vorhalle von dorischen Säulen aus
sizilianischem Stein hätten sich Könige und Königinnen des größten Reichs mit ihrem Troß von Kavalieren und Hofdamen gehobenen Gefühls auf- und abbewegen können, zu Festen in
den Sälen, zum Lustwandeln im Park, zu den Jagden und Spazierfahrten.” Aber, so fährt Ferdinand Gregorovius in seinen “Wanderjahre in Italien”
1866 fort, “für den neapolitanischen Hof war all diese Pracht doch zu groß...”
Fertiggestellt nach nur 22 Jahren Bauzeit im Jahre 1774, wurde das unter Karl III. begonnene und unter seinem Sohn Ferdinand IV.
fertiggestellte Bourbonenschloss nie voll genutzt. Der Zenit des Absolutismus war überschritten, das Schloss - in seinen Abmessungen tatsächlich größer als das französische Vorbild
Versailles “kam zu spät”. Nicht lange hielt es der feinsinnige König hier aus, es zog ihn schon wenige Jahre später in ein kleineres Schlösschen ausserhalb Casertas.
Ein Rundgang durch die kürzlich sehr gut renovierten Gemächer ist
eindrucksvoll. Hofkapelle, Treppenhaus und die königlichen Gemächer sind streng symmetrisch angeordnet, jeder Raum hat sein Pendent im gegenüberliegenden Teil des Gebäudes. Tiefhängende Lüster und eine
reichhaltige Wanddekoration mit Gold- und Stuckarbeiten schmücken die Räume. Im Osttrakt - ganz am Ende des Ganges ist eine riesige Krippe aufgebaut, die über 1200 Figuren enthalten soll (das Herstellen von Krippen
ist noch heute ein in Neapel gepflegtes Kunsthandwerk).
Die gesamte Anlage wirkt trotz - oder vielleicht auch gerade wegen - ihrer Größe sehr harmonisch. Die Hauptachse tritt frei durch das vierflüglige Schloss
hindurch und verläuft über fast drei Kilometer durch den paradiesischen Park: “Da führt nun ein Aquädukt einen ganzen Strom heran, um Schloß und Gegend
zu tränken, und die ganze Wassermasse kann, auf künstlich angelegte Felsen geworfen, zur herrlichsten Kaskade gebildet werden. Die Gartenanlagen sind
schön und gehören recht in eine Gegend, welche ganz Garten ist.” Es empfiehlt sich, mindestens eine Wegstrecke des sich endlos ziehenden Weges hinauf zur Kaskade mit den hier ständig verkehrenden
“Linienbussen” zurückzulegen. Mit den üblichen Bambini- und Ragazziregimentern ist natürlich auch zu rechnen!
Auf einem kleinen Landsträßchen fahren wir weiter in Richtung Sant´Agata dei Goti, einem kleinen Dörfchen, das auf einer Bergterasse liegt und von zwei Flüsschen umflossen wird. Der Name der Stadt basiert auf dem
Untergang der Goten unter Totila in der Schlacht am Vesuv im Jahre 553. Einige wenige Überlebende sollen nach Norden geflohen sein und hier eine Bleibe gefunden haben. Besonders sehenswert ist der mit vielen
antiken Spolien (Originalstücke antiker Bauten) versetzte Dom. Zählen Sie einmal die Kirchen, die dieses kleine Dorf hat!
Benevent ist das nächste Etappenziel der Rundfahrt durch den
nördlichen Teil des neapolitanischen Hinterlandes. Die wichtigsten touristischen Sehenswürdigkeiten kann man leicht in einem zweistündigen Rundgang kennenlernen. Eine ganz gute
Parkmöglichkeit liegt neben dem Dom, wenn man am frühen Nachmittag ankommt, kann man hier sicher noch einen Parkplatz finden. Die freundlichen Einweiser sind übrigens nicht
ausschließlich zum abzocken der Touristen hier, wenn sich am Abend der Parkplatz in Doppelreihe und somit 50% Überkapazität gefüllt hat, wird man froh sein, wieder herausgelotst zu werden.
Vom Dom aus, er wurde bei einem amerikanischen Bombenangriff im Jahr 1943 stark zerstört, sollte man auf jeden Fall durch die
kleinen Strässchen der Altstadt zum Trajansbogen (erbaut um 114 n.Chr.) spazieren. Er ist einer der besterhaltenen antiken Triumphtore überhaupt: “Aus engen und schmutzigen Gassen steigt man an den alten
Stadtmauern zu ihm hinab. Er hat nur einen Durchgang, diente ursprünglich zum Eingangstor und steht jetzt völlig frei. Inschriften an den Mauern in
seiner Nähe verzeichnen die Epochen seiner Wiederherstellung unter der Herrschaft der Päpste. Herrliche Reliefs schmückten beide Augenflächen, das
Gesimse und die Attica. Sie stellen die Triumphe Trajans über dacische und germanische Völker, den Einzug des Kaisers in Rom, seine Opfer, seine
Aufnahme unter die Götter dar, und andere Szenen, worunter die Vermählung Hadrians mit Sabina merkwürdig ist. Das ganze Denkmal macht den Eindruck
wahrhafter Würde und Majestät. Es erfüllt den Beschauer um so mehr mit dem reinen Gefühl des Schönen und Großen, weil es einem der edelsten
Kaiser gewidmet ist. Das Motiv seiner Errichtung ist auch ein wohltuendes und menschliches. Denn dieser Bogen war ein Triumphtor der das Abendland mit dem Orient vermittelnden Via Appia. Der römische Senat setzte ihn dem Kaiser Trajan, weil er diese
große Straße auf seine Kosten erneuert und bis Brindisi geführt hatte.” schreibt Gregorovius. Nach der Lektüre von mindestens drei verschiedenen
Reiseführern bin ich mir nicht mehr ganz sicher, ob auch nur einer davon den Anlass richtig getroffen hat, derart unterschiedlich sind die Darstellungen.
Ein Besuch der kleinen Kirche Santa Sofia aus dem 8.Jhd. lohnt sich sehr. Sie weist einen kreisrunden Zentralraum mit seitlich sternförmig gezackten
Nischen auf, der von drei Apsiden abgeschlossen wird, die noch Originalteile der Fresken aus dem 9. Jhd. aufweisen. Auch die 16 Säulen, die das
Kuppeldach tragen sind antik. Im Altar sind angeblich die Reliquien des hl. Mercurius verborgen, der es als Mörder des zum “Heidentum” abgefallenen Kaisers Apostata zu zweifelhaftem Kirchenruhm gebracht hat.
Leider hatte das überall sehr empfohlene Provinzmuseum “Museo del Sannio” bereits geschlossen, es liegt direkt am Kreuzgang von Santa Sofia und soll einen guten Überblick über die Samnitische Kultur bieten.
Die Fahrt über Avellino nach Süden und zurück ins Valle di Lauro zieht sich noch einmal, auch ist die an sich “geradlinige” Stadtdurchfahrt durch Avellino im Feierabendverkehr alles andere als angenehm und gut
ausgeschildert. Irgendwie haben wir es aber doch geschafft...
|