Pompeji, Herkulaneum und die versunkenen Städte am Vesuv

Rundgang durch die antike Ruinenstadt

Karte: Pompeji

Dauer: ganztags (6 h)

Wegbeschreibung: Vom Eingang am Amphitheater in Zentrumsnähe vorbei an der Palästra zur Casa di Loreio Tiburtino und Casa di Venere, entlang der Via dell´Abbondanza zum Forum, von dort zur Villa des Fauns und der Casa dei Vetti, eventuell noch zur Villa dei Misteri

Pompeji: Strassenzug”Ich lief eine Stunde in Pompeji herum, und sah was die andern auch gesehen hatten, und lief in den aufgegrabenen Gassen und den zu Tage geförderten Häusern  hin und her. Die Alten wohnten doch ziemlich enge.” schreibt Johann Gottfried Seume auf seinem “Spaziergang nach Syrakus ” 1802 und fährt fort: “Jeder Kommisaer scheint zu nehmen, was ihm am nächsten liegt, und die Regierung schweigt wahrscheinlich mit berechneter Klugheit.

Zwei Millionen Besucher  besuchen jährlich das Weltkulturerbe Pompeji. Die ausgegrabenen Ruinen verfallen, Fresken verblassen und Mosaike und wertvolle Inschriften werden zerstört: deshalb schnell hin und anschauen, denn es ist immer noch sehr beeindruckend.Pompeji: Strasse

Als im Jahre 1748 der Geistliche Giacopo Martorelli von Karl dem III. den Auftrag bekam, auf einem Gebiet, das von den Bauern der Umgebung jahrhundertelang nur Civita genannt wurde, nach den Resten des antiken Stabiae zu graben, ahnte noch niemand, was die Grabungen alles ans Licht bringen würden. Frühere Funde, die durchaus schon Hinweise auf Pompeji gaben, waren vergessen oder in ihrer Bedeutung nicht erkannt worden. Erst als 15 Jahre später eine Inschrift respublica Pompeianorum gefunden wurde, wurde langsam klar, dass es sich hierbei um das im Jahre 79 nach Christus durch den Ascheregen des Vesuv verschütteten Pompeji handelte. Pompeji war damals eine relativ unbedeutende Kleinstadt, die ohne die Katastrophe völlig vergessen worden wäre. Plinius beschreibt in zwei Briefen an seinen Freund Tacitus (wer erinnert sich nicht noch an die schrecklichen Lateinstunden?) den Vulkanausbruch und den Tod seines Onkels. Die Ausgrabungen erwecken einen Teil der Stadt wieder zum Leben, viele der Villen sind restauriert und geben einen guten Eindruck des römischen Alltags. Unbedingt erforderlich ist ein Reiseführer (als Buch), in dem wenigstens ein Teil der Gebäude in ihrer ursprünglichenPompeji: Casa di Tiburtino Funktion erläutert sind, da kaum örtliche Hinweisschilder  vorhanden sind. Gut geeignet ist der Dumont Kunstreiseführer von Christoph Höcker oder der gleichnamige Reiseführer “Golf von Neapel” aus dem Michael Müller Verlag.

Im folgenden ist der von mir empfohlene Rundgang beschrieben, Detailinformationen sind in den erwähnten Reiseführern aber natürlich auch im Internet zu finden.

Obwohl es angeblich normalerweise nicht leicht sein soll, einen Parkplatz nahe den Ausgrabungen zu finden, haben wir es nicht weit zum relativ wenig frequenierten stadtnahen Eingang am Amphitheater (“Raum für die Zuschauer rund um die Arena”). Es handelt sich bei ihm um das älteste erhaltene Gebäude für Gladiatorenspiele, entstanden um 80 v. Chr.  Die Begeisterung für diese Vergnügung steht dem der heutigen Fussballspiele in nichts nach: So ist eine Massenschlägerei zwischen den Pompejanern und den Einwohnern von Nuceria (“aus nichtigem Anlass” wie Tacitus in den Anales schreibt) überliefert, bei der es viele Tote und Verletzte gegeben hat und die dazu führte, dass für mehrere Jahre solche öffentlichen Versammlungen in Pompeji verboten wurden.

Gegenüber des Amphitheaters liegt die Grosse Palästra, die die Funktion eines Sportplatzes mit angeschlossenem Sportschwimmbad einnahm und von regelrechten Sportvereinen genutzt wurde. Hier wie auch anderswo in Pompeji finden sich antike Graffiti, die die Zeitlosigkeit dieser “Schmierereien” beweisen: “Iucundus scheißt schlecht” steht an einer Latrine, “Floronius ... war hier; die Frauen konnten ihm bis auf wenige nicht widerstehen und gaben sich ihm hin” (zitiert nach La Rocca: Pompeji, Lübbe Verlag).

Pompeji: Casa di VenereDie beiden Häuser “Casa di Tiburtino” und “Casa di Venere” sind die ersten Beispiele der Pomejianischen Wohnkultur auf unserem Weg. Ersteres zeigt einen harmonisch mit den Wohnbereich verbundenen Garten mit Wasserlauf, in dem zahlreiche Anspielungen auf den Nil und die damals hochgeschätzte ägyptische Mythologie zu finden sind. Im Nachbarhaus findet man an der Rückwand des Peristyls (Säulenhalle um einen Innenhof) ein ziemlich plump gemaltes, vielleicht 5x2 m grosses Venus-Fresco, das uns aber aufgrund des guten Erhaltungszustandes und seiner Größe dennoch sehr beeindruckt hat und dem Haus seinen Namen gegeben hat. In der Nähe kann man noch einen Blick auf einen Weinberg werfen, der offensichtlich im alten Stil angelegt wurde. Bei den Ausgrabungen fand man Hinweise auf Pergolen und die Anlage der Rebstöcke sowie Zugangswege für die Arbeiter.Pompeji: Schänke

An der “Hauptstrasse” Via dell´Abbondanza liegen auf dem Weg zum Forum eine Vielzahl von Gewerbebetrieben wie Bäckereien, Färbereien und Walkereien, ferner viele antike “Imbissbuden” und Schänken, die darauf hindeuten, dass ein beträchlicher Teil der Nahrung in öffentlichen Gaststuben eingenommen wurde und dies billig und üblich war. Vereinzelt finden sich auch hier Hinweise auf angeschlossene Spielräume und Bordelle (z.B. im Thermopolium des Sotericus wird auf die zusätzlichen Dienstleistungen der Kellnerinnen hingewiesen), die ziemlich gleichmässig über die gesamte Stadt verteilt lagen und an denen offenkundig kein allzu grosser Anstoss genommen wurde.

Auf dem Weg zum Forum kommt man auch an den Stabianer Thermen vorbei, den ältesten Thermen in Pompeji mit einer kleinen angeschlossenen Palaestra. Männer- und Frauenabteilung sind getrennt, die noch vom Erdbeben 62 n.Chr. in Renovierung befindlichen Räume geben ein klares Bild vom Aufbau römischer Bäder mit Heiß- und Kaltbad, Aufenthaltsräumen und Bedienstetenräumlichkeiten sowie den Wasserleitungen.

Pompeji: Blick über Forum zum VesuvDas Forum war der Mittelpunkt des bürgerlichen, religiösen und wirtschaftlichen Lebens in Pompeji. Um es herum gruppierten sich die wichtigen Tempel, er lag am Schnittpunkt der wichtigsten Strassen, auf ihm fand der Markt statt (wie auch heute noch in Italien), er hatte grosse Bedeutung für Kult und Verwaltung. Zahlreiche Statuen von wichtigen Personen der Politik “schmückten” den Platz.

Südwestlich des Forums liegt die Basilika, die bereits im 2. Jhd. v. Chr. entstanden ist und die Sitz der lokalen Rechtssprechung gewesen ist. Die Gebäude der Gemeindeverwaltung befanden sich in unmittelbarer Nähe, in einem davon vermutet man das Gemeindearchiv.

Pompeji: BasilikaDer gegenüber liegende Tempel war der Hauptgottheit des frühen Pompejis, Apollo geweiht. Unmittelbar am Forum gelegen war er religiöses Zentrum. Der ursprünglich griechische Kult hatte in Kampanien grosse Verbreitung gefunden, was auf den direkten Kontakt zu den frühen griechischen Kolonien zurückzuführen ist. Dieser Kult wurde im Laufe der Jahrhunderte schließlich von italischen Traditionen abgelöst, wie der jüngere Jupitertempel am nördlichen Ende des Forums beweist, der Jupiter, Juno und Minerva geweiht war.

In der Nähe des Forums gibt es das einzige (Selbstbedienungs-) Restaurant auf dem Gelände, hier kann man eine kleine Mittagspause machen und sich etwas ausruhen. Klar ist, das Bambini und Ragazzi “italienisches Flair” verbreiten.

Pompeji: Villa des FaunEinige des beeindruckensten und größten Villen liegen im nördlichen Teil des Ausgrabungsgeländes. Die Villa des Fauns - benannt nach einer 78 cm hohen Bronzeskulptur eines tanzenden Satyrs (Wesen aus der griechischen Mythologie mit Hörnern und Schwänzen) - ragt besonders heraus und gilt als eine der schönsten Villen des ganzen Altertums. Vermutlich gehörte sie einem Neffen des Diktators Sulla; sie war ausserordentlich luxoriös ausgestattet, besaß zwei Atrien, zwei Peristyle, zwei Speiseräume und eine grosse Zahl weiterer Zimmer. Insbesondere die Dekoration der Fußböden und Wände mit Mosaiken sind Kulturschätze von höchstem Wert, glücklicherweise sind sie großteils erhalten und im Archäologischen Museum in Neapel ausgestellt. Dabei ragt das sogenannte “Alexandermosaik” mit der Darstellung der Schlacht von Issus mit seinen 1,5 Millionen Mosaiksteinchen heraus.

Sehr gut erhalten ist auch das Haus der Vettier, in dem zahlreiche Fresken aus dem sogenannten “vierten Stil” Pompejis zu sehen sind. Die teilweise eindeutig sadistischen und frivolen Motive sind “Musterbeispiele für Gewaltphantasien, wie sie sich in der pompejanischen Malerei so oft finden” schreibt Christoph Höcker.

Pompeji: Santuario della Madonne del RosarioAuch in der etwas abseits gelegenen Villa die Misteri (Mysterienvilla) sind zweifellos sexuell motivierte Gewaltszenen zu sehen, leider haben wir diesen Abzweig verpasst. Die Villa repräsentiert einen etwas anderen Charakter, da hier eine landwirtschaftliche Nutzung des grossen Komplexes klar erkennbar ist.

Nach dem Rundgang kann ich einen Abstecher ins moderne Pompeji durchaus empfehlen, es sind nur einige hundert Meter vom Ausgang am Amphitheater zum Zentrum mit dem Santuario della Madonne del Rosario (hier kommen übrigens angeblich wesentlich mehr Besucher hin, als zum Ausgrabungsgelände: es ist eine der grossen Pilgerstätten Italiens nach Rom und noch vor Assisi). Klar, dass es hier auch ein leckeres Eis gibt, der nötige Umsatz ist jedenfalls vorhanden.

Herkulaneum und Vesuv

Herkulaneum: BüsteNicht mehr am gleichen Tag, bitteschön! Aber zur Ergänzung sehr zu empfehlen: ein Besuch der zweiten grossen Ausgrabungsstätte am Vesuv: Herkulaneum. Vom Charakter her ganz anders als Pompeji: deutlich kleiner, besser erhalten und vor allem bei weitem nicht so stark besucht (sprich: nicht so überlaufen).

Bedeutend kleiner als Pompeji, lebten in der Hafenstadt Herkulaneum vielleicht nur etwa 3000 Einwohner. Während Pompeji durch den Ascheregen verschüttet wurde, wälzte sich über Herkulaneum ein Lava- Schlammstrom hinweg und bedeckte die Stadt viele Meter hoch. Das moderne Erkulaneo liegt eigentlich direkt über den antiken Resten, nicht zuletzt deshalb ist hier nur ein kleiner Teil der Stadt ausgegraben. Vieles liegt noch verborgen oder wurde durch Stollen angebort: Goethe schreibt: “Man steigt 60 Stufen hinab in eine Gruft, wo man das ehemals unter freiem Himmel stehende Theater bei Fackelschein bestaunt”. Ein Besuch ist heute angeblich nach Anmeldung möglich.

Der Rundgang ist in etwas kürzerer Zeit zu bewältigen, ca. 3-4 h reichen, Vesuv: Kraterum die wesentlichen Gebäude mit “ausreichender” Vertiefung studiert zu haben. Auch hierzu ist natürlich ein guter Reiseführer unerlässlich, da sich ansonsten die Bedeutung der Gebäude dem Besucher nicht erschliesst.

Am selben Tag bietet es sich an, noch den Vesuvkrater zu besuchen. Auf einer guten Fahrstrasse erreicht man von Herkulaneum über die Westflanke auf ca. 1000 m Höhe einen Parkplatz, von dem aus man den Gipfel in ca. 30 Minuten auf einem schattenlosen Schotterweg zu Fuß erreichen kann. Etwas trickreich wird ca. 50 Höhenmeter (also unmittelbar vor der Kraterzone) unterhalb des Gipfels eine ziemlich saftige Eintrittsgebühr fällig. Wer also die ca. 10000 Lire pro Nase nicht ausgeben will, um in einen ziemlich toten Trichter sehen zu können, sollte erst gar nicht den mühsamen und vermutlich heissen Aufstieg angehen.

Panoramen

360 Grad Panorama: Pompeji - Amphitheater und Palaestra

Panoramabild: Pompeji Amphitheater und Palaestra

Panorama: Pompeji - Stabianer Thermen

Panoramabild Pompeji - Stabianer Thermen

Panorama: Herkulaneum

Panoramabild Herkulaneum

Panorama: Herkulaneum

Panoramabild Herkulaneum

Panorama: Landschaft in Vesuvregion

Panoramabild Vesuv

 

Weiterführendes


Lateinforum.de - Pompeji: unzählige Links zu Informationen über Pompeji, auch viele Bildersammlungen

Offizielle Seite der Soprintendenza Archeologica di Pompeji: Pompeji, umfangreiche Informationen über das Ausgrabungsgelände, Öffnungszeiten, Preise und empfohlende Rundgänge (siehe auch oben) mit detaillierten Erläuterungen, in englischer und italienischer Sprache

 

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