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”Jeder ehrliche Schotte hält diesen Punkt für den schönsten in der Welt” schreibt Theodor Fontane in seinem Reisebericht “Jenseit des Tweed” (kein Tippfehler) beim Anblick von Edinburgh Castle. Auch wir beginnen
unseren Besuch im “Athen des Nordens” mit einem Spaziergang durch die georgianische New Town, der natürlich dort endet, wo wie auf einer Freilichtbühne die Altstadt und Festung vor uns liegt: in der Princess Street.

New Town, das ist das helle, neue Edinburgh, erbaut um 1800 zur Erweiterung der Altstadt. Ein junger, bis dahin unbekannter Edinburgher
Architekt konzipierte im Stil des “Royal Crescent” - einer Abfolge von Straßen und Plätzen - eine ganze Stadt. Dreistöckige Häuser, einheitlich
im Ganzen jedoch durchaus unterschiedlich detailliert säumen großzügige, rechtwinklig verlaufende Straßenzüge und die oft halbmondförmigen Crescents. Damals bei den Bewohnern zunächst recht unbeliebt, finden
sich heute in der Neustadt die Büros der Consultants, Banken und viele der besten Hotels.
Einzig das West Register House - Teil des Schottischen Staatsarchivs ragt in seiner Monumentalität aus dieser Gleichförmigkeit heraus. Seine massiven Mauern bilden zugleich den westlichen Abschluß des gesamten
Ensembles.
Viele typische Pubs finden sich um die Queensferry Street, und auch wir begießen unseren ersten Tag im Dizzling Rain mit einem schottischen Lager oder dem ersten Single Malt Whisky.
Über viele Jahrhunderte entstanden, von Schotten verteidigt, von Engländern erorbert und noch so manches mal hin und her besetzt, bildet sie letztlich nichts als eine Ansammlung von beliebigen Gebäuden auf einem
gemeinsamen Fels. Symbolträchtig für das schottische Nationalbewußtsein birgt sie seit 1996 in der Schatzkammer neben den Throninsignien der Könige den Stone of Scone, jenen von Edward I. - dem
“Schottenhammer” -1296 deportierten Krönungsstein, auf den sich schon Macbeth setzte und somit formell gekrönt wurde. Mal sehen, ob sich Charles III. hier oder in Westminster Abbey darauf setzen wird....
Wie auch immer man zu Festungen steht, klar ist, daß der vom Aufsteigen erschöpfte Besucher regelmäßig eine herrliche Aussicht genießen kann:
Die Paradestraße zur Burg ist die “Royal Mile”, am Bergkamm gelegen eine echte “high” Street. Gut erhaltene mittelalterliche Bauten säumen das
traditionsreiche Pflaster, das sich bis nach Holyrood Castle hinab zieht. St-Giles liegt am Weg, die Kathedrale des John Knox, des “Kill joy”, “Freudentöters” - der
schottischen Reformation. Radikaler noch als sein Lehrer Calvin, im steten Widerstreit mit den Stuarts predigte er von hier sein “Book of Discipline”, das eine der Grundlagen der presbyterianischen schottischen
Staatskirche wurde.

Nur eine kurze Zeit konnte Maria Stuart unbeschwert musikalische Feste und andere Heiterkeiten in ihrem Schloß Holyrood am Ende der Royal Mile genießen - organisiert von ihrem Vertrauten und maître de plaisir
David “le Chantre” Rizzio. Dann konnte es ihr unfähiger Ehemann Darnley nicht länger ertragen, von seiner enttäuschten Gattin zurückgewiesen zu werden und organisierte dessen berühmte Ermordung, die Stefan
Zweig in seiner Biographie der Königin so aufregend beschreibt.
Calton Hill ist die zweite Aussichtsterrasse, von der man einen schönen Blick über die Stadt und den Firth of Forth hat, der kurze Anstieg ist lohnend. Das National Monument, der Nelson-Turm sowie das Observatorium
bilden nach Peter Sager so etwas wie das Parthenon für das “Athen des Nordens”
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