Zypern - Im Troodos Gebirge

Platres

Im Troodos Gebirge Idealer Ausgangspunkt für einige Tage im Troodos-Gebirge ist das herrlich gelegene Fremdenverkehrsdörfchen Pano Platres, das - auf einer Höhe von 1128 m über dem Meeresspiegel gelegen - selbst im Sommer ein angenehmes Klima bietet. Es steht in der Tradition der britischen Hill Stations, Sommerresidenzen der britischen Militärs besetzter / kolonisierter Gebiete, die hier in den heissen Monaten des Jahres dem Schwitzen entgehen wollten. Ralph-Raymond Braun schreibt in seinem Michael-Müller-Reiseführer Zypern: “die Stimmung ist geruhsam bis blasiert gelangweilt” - wir fanden es trotzdem schön.

Das “erste” Haus am Platz erfüllt die hierdurch geweckten Erwartungen in vollem Umfang: gediegener Charme der 50er Jahre, noch weitere 30 Jahre ohne Austausch der Plüschsofas und das Hotel wird der Renner für Reisen in die Vergangenheit. Aber man darf ihm nicht unrecht tun: der Hausherr selbst empfängt unsere Gruppe und berichtet aus Zeiten, als König Faruk von Ägypten und Stars und Sternchen aus aller Welt zu den Gästen zählten. Und ich kann mir vorstellen, dass aufgrund der vielen Möglichkeiten und des angenehmen Klimas auch heute noch der eine oder andere auf höchste Exklusivität und neuesten Schnickschnack verzichtet und die private Atmosphäre zu schätzen weiss.

Um den Olymp

Im Troodos Gebirge Im Winter schifahren auf Zypern? Ja, sogar ein Schilift existiert und etliche Touri-Prospekte mit haufenweise Schnee beweisen es. Im November herrschen sehr angenehme Temperaturen, so um die 15 Grad, für die teilweise anspruchsvollen Wanderungen bergauf und bergab genau richtig. Es ist allerdings etwas neblig und feucht, aber auch schöne Tage sind dabei. Das Dörfchen Troodos (1650 m) ist eigentlich keine gewachsene Siedlung, sondern Anhängsel der britischen Lauschstation auf dem höchsten Berg Zyperns, dem Olypm (1951 m) - und besonders schön ist die Radarkuppel auf dem Gipfel nicht. Von hier aus gibt es jedoch etliche reizvolle Wanderwege, die nach dem Schema “am Startort eine Holztafel mit skizziertem Wegverlauf, der verrückte Mitteleuropäer wird den Weg dann schon finden” ausgebaut sind. Aber tatsächlich kann man sich bei den meisten Wegen gar nicht richtig verlaufen. Anstelle vieler Wegmarkierungen (OK, es gibt einige Pfeile) sind jedoch auf manchen Wegen Naturlehrtafeln aufgestellt, die ganz anschaulich und informativ über Fauna und Flora ringsrum informieren.

Die Wanderwege haben hübsche Namen, die natürlich völlig ohne Bezug zum Weg sind: Aphrodite-Trail, Artemis-Trail, Persephone-Trail. Insbesondere der Atalante Pfad, den wir zurückgelegt haben, ist zu empfehlen, da er den Olymp praktisch auf gleicher Meereshöhe umrundet und immer wieder schöne Blicke bis zum Meer freigibt.

 

Wanderung zu den Kaledonian Falls


Im Troodos Gebirge
Ein kleines Stück oberhalb von Platres (idealer Startort ist die Forellenzucht) beginnt ein Wanderpfad, der zu den auch im Sommer wasserführenden Kaledonian Falls (Wasserfällen) führt. Wir laufen ihn entgegen der eigentlich ausgeschilderten Route bergauf - und diese Richtung ist sicherlich auch die empfehlenswerte. Auch hier sind wieder etliche Naturlehrschilder aufgestellt. Besonders nett ist es, dass man bestimmt 20 mal das kleine Bächlein (ich kann nicht sagen, wie stark das strömt, wenn es länger geregnet hat) überwinden muss. Wir kommen alle trockenen Fusses an, aber angeblich ist das eher selten.

Am Endpunkt (ausgeschildeter Anfangspunkt) der Wanderung legen wir noch einen drauf, indem wir bis Troodos hinaufwandern. Bizarre Zypern-Zedern und Kiefern wechseln einander auf grosser Höhe ab.

Ganz brauchbare (Übersichts-)Karte mit vielen Wegen im Troodos und dem erwähnten Weg zu den Kaledonian Falls (Nr. 5) von VisitCyprus.org.cy

 

Phini

Im Töpferdorf PhiniGanz in der Nähe von Platre liegt das (ehemalige) Töpferdorf Phini, das schon alleine wegen des netten kleinen “Museums” von Theophanis Pilavakis sehenswert ist. Seine Familie produzierte in diesem liebevoll gepflegten Haus die grossen Pitharia-Gefässe zur Aufbewahrung von Getreide oder Ölen. Sie galten als die Kühlschränke Zyperns. Zumindest für Gruppen führt er sehr lebhaft in englischer Sprache durch das Haus, so manches derbes Spässchen sollte man lächelnd hinnehmen. Ansonsten kann man natürlich in dem Dorf auch verschiedene kunsthandwerkliche Gegenstände kaufen, allerdings steht man in der Nebensaison auch manchmal - wie wir - vor verschlossenen Türen.

Asinou und die Panagia Phorbiotissa

Die Scheunendachkirchen Zyperns sind alleine schon eine Reise wert und zählen zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Insel. Sie liegen verborgen im Troodos-Gebirge, alleine 9 davon sind wegen ihrer leuchtenden Freskenausmalung in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen worden. Auch die Scheunendachkirche von Asinou - die Panagia Phorbiotissa (siehe auch Panorama unten) - gehört hierzu, von aussen erscheint sie völlig unbedeutend und uninteressant. Innen jedoch staunt man nur über den guten Erhaltungszustand der Freskenserie aus der frühen Komnenenzeit.

Wer sich für die byzantinische Bildersprache interessiert ist mit dem hervorragenden Dumont-Kunstreiseführer Zypern von Andreas Schneider bestens bedient. Am Beispiel unterschiedlicher Scheunendachkirchen erläutert er abschnittsweise das klassische ikonografische Programm, das sich im Grunde in allen orthodoxen Kirchen wiederholt: Christus als Weltenherrscher (Pantokrator) an dominanter Stelle - meist in der Kuppel, in Asinou im Narhex und vor allem der Zwölffestezyklus, mit der Darstellung von Verkündigung Mariens, Geburt Jesu, Jesus im Tempel, der Taufe Christi, der Verklärung, der Auferweckung des Lazarus, des Einzugs nach Jerusalem, der Kreuzigung, der Höllenfahrt, der Himmelfahrt, des Pfingstwunders und schließlich der Himmelfahrt Mariens. Auch in Asinou natürlich die Darstellung etlicher Heiligen und wie immer ein Stifterbild, das den Stifter bzw. die Stifterin der Kirche zeigt.
 

Wanderung von Asinou nach Agios Theodoros


Länge ca 4 km, Dauer: ca 2,5 h Stunden, ordentliche Wegmarkierung, leichter Anstieg für ca. 1,5 h durch lichten Kiefernwald. Vom Kamm schöner Ausblick über die Bucht von Morphou im türkisch besetzten Teil der Insel. Wie bei fast allen Wegen besteht das Problem des Rückweges, über öffentliche Verkehrsmittel ist mir nichts bekannt. Mit zwei Fahrzeugen geht es natürlich am besten.

Blick auf die Bucht von Morphou, Wanderung Asinou-Agios Theodoros

Ganz brauchbare (Übersichts-)Karte mit dem gekennzeichneten Weg (Nr. 8) von VisitCyprus.org.cy
 


Kakopetria
Kakopetria und Galata

Auf dem Rückweg von Asinou - vielleicht zum Mittagessen - bietet sich ein Besuch des hübschen Dorfes Kakopetria an. Sein ganzer historischer Dorfteil ist vor stärkeren Veränderungen geschützt und präsentiert sich den Touristen fein herausgeputzt. Überall klingt das unaufdringliche “Kopiaste” - Willkommen zum Anschauen und auch Kaufen von allerlei Souveniers und lokalen Spezialitäten. Neben der Kirche Agios Nikolaos tis Stegis (Kirche des hl. Nikolaus “vom Dach” - ein Hinweis auf das Holzschindeldach) Kakopetria zählen auch die beiden kleinen Scheunendachkirchen “Erzengel Michael” (Panagia Theotokos) und die Panagia Poditou aus dem 16. Jhd. in Galata zum UNESCO Weltkulturerbe. Den Schlüssel zur Besichtigung der beiden nahe beieinander - aber etwa 2 km ausserhalb an der Hauptstrasse - stehenden Kirchlein erhält man beim Küster in Galata. Eine starke Taschenlampe ist zum Betrachten der herrlichen Fresken empfehlenswert, da diese beiden Kirchen nicht sehr gut ausgeleuchtet sind und der Küster - jedenfalls bei uns - nur eine Funzel anbieten konnte.

Die Scheunendachkirche im Kloster des hl. Ioannis LampadistisDie Scheunendachkirche im Kloster des hl. Ioannis Lampadistis im Marathasa-Tal

In Kalopanagiotis liegt eine weitere der neun UNESCO-geschützten Scheunendachkirchen Zyperns: die des Klosters Agios Ioannis Lampadistis. Das Auto muss man im Dorf stehen lassen, ein kleiner Weg führt über eine neue schmale Brücke zur anderen Talseite. Die drei aneinandergebauten Kirchen (zwei davon mit einem gemeinsamen Narthex) stammen ursprünglich aus dem 12. Jahrhundert, die größere Klosterkirche wurde im 18. Jhd. neu aufgebaut. Auch hier wieder herrliche Fresken, insbesondere in der Lateinischen Kirche außergewöhnlich  interessant durch den “Renaissance-Stil”  der Fresken aus dem frühen 16. Jhd.

 

Wanderung von Platanistasa nach Lagoudera


Der hl. Mamas, Schutzpatron der Steuerzahler in Platanistasa
Wer jetzt noch Scheunendachkirchen sehen kann, sollte die Wanderung von Platanistasa nach Lagoudera machen: gleich zweimal “besonders sehenswert” im Dumont-Kunstreiseführer, was für Sterne-Sammler. Tatsächlich aber zwei Kleinoder der byzantinischen Freskenmalerei: bei der Kirche Stavros tou Agiasmati in der Nähe von Platanistasa beginnt der Nature Trail, der in ca. 3 h teilweise steil hinauf nach Lagoudhera führt. Die Besichtigung der Kirche Stavros tou Agiasmati ist nur mit Küster möglich, am besten in Platanistasa in einem Kafenion nach ihm fragen, er lässt sich dann mitnehmen. Das Problem, wie der Küster zurückkommt, wenn man wandern will, bleibt zu lösen, der Rückweg zum Auto auch...

Karte von VisitCyprus.org.cy: Weg Nr. 4

In Lagoudera darf man dann natürlich nicht den Besuch der etwas ausserhalb gelegenen Kirche Panagia Arakiotissa versäumen, die schöne Fresken “der späten Komnenzeit in aristokratischem Stil mit manieristischen Tendenzen” (Dumont-Kunstreiseführer) zeigt.... (sind aber echt interessant!).
 

Panoramen


360 Grad Panorama: Panagia Asinou

zum Panorama: Panagia Phorbiotissa in Asinou


360 Grad Panorama: Lagoudera

zum Panorama: Ausblick bei Ladoudera

zu weiteren Panoramen aus dem Troodos...
 

Weiterführendes


University of Maryland: Die Kirche Panagia Phorbiotissa in Asinou mit vielen Abbildungen der Fresken
Kypros.org: das
ikonografische Programm der byzantinischen Fresken
 

 

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